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Proteste in der Ukraine Klitschko ruft zum "Marsch der Million"


Mindestens 100.000 Menschen sind bereits in Kiew versammelt, um gegen die Politik des Präsidenten Viktor Janukowitsch zu protestieren. Sie fordern sofortige Neuwahlen in der Ukraine.

Bei eisigen Temperaturen haben sich am Sonntag in Kiew mindestens 100.000 Menschen zu erneuten Protesten versammelt. Die Demonstranten schwenkten Nationalfahnen der früheren Sowjetrepublik und forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch. Aus den umliegenden Straßen strömten immer weitere Menschen hinzu, so dass die Zahl der Teilnehmer noch steigen dürfte. Die Opposition um Boxweltmeister Vitali Klitschko und Ex-Wirtschaftsminister Arseni Jatsenjuk hofft, eine Million Anhänger zu der Kundgebung unter dem Motto "Marsch der Million" auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) zu versammeln.

Die Opposition gab die Zahl der Teilnehmer zunächst mit mindestens 500.000 an. Beobachter sprachen von etwa 100.000 Menschen kurz nach Beginn der Kundgebung.

Trotz großer Kälte hatten viele Regierungsgegner die Nacht über in Zelten auf dem Maidan ausgeharrt. Freiwillige brachten den Anhängern der Opposition Brote und heißen Tee. Vor dem Beginn der heutigen Proteste warnte das Innenministerium vor "Provokationen" gegen die Sicherheitskräfte. Ausschreitungen würden streng bestraft.

Proteste mit prominenter Unterstützung

Klitschko hatte die Regierungsgegner am Vorabend noch einmal zu einer regen Teilnahme aufgerufen. "Mehr als eine Million Menschen müssen Präsident Viktor Janukowitsch klarmachen, dass er unsere Bedingungen erfüllen muss", sagte der Chef der Partei Udar (Schlag). Die Opposition verlangt unter anderem den Rücktritt der Regierung sowie die Freilassung der inhaftierten Politikerin Julia Timoschenko. "Wer nicht in einem Polizeistaat leben will, sondern in einem modernen Land, sollte nicht gleichgültig bleiben", sagte Klitschko.

Die Popsängerin Ruslana rief die Demonstranten in Europas zweitgrößtem Flächenstaat zum Durchhalten auf. "Der Maidan ist heute nicht nur ein Platz der Unabhängigkeit, sondern auch ein Platz der Hoffnung", sagte die Siegerin des Eurovision Song Contests von 2004.

Der seit mehr als drei Wochen andauernde Protest richtet sich besonders gegen Janukowitsch. Er hatte ein Abkommen über eine engere Zusammenarbeit mit der EU gestoppt und zuletzt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über verbilligte Gaslieferungen verhandelt. Die ukrainische Opposition war am Dienstag im Parlament mit ihrem Misstrauensantrag gegen Regierungschef Nikolai Asarow gescheitert. An dem Massenprotest am vergangenen Wochenende nahmen rund 100.000 Menschen teil.

vim/AFP/DPA DPA

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