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Rebellen in Libyen: Mit Waffen Marke Eigenbau gegen Gaddafi

Technisch sind die libyschen Rebellen den Truppen von Machthaber Muammar el Gaddafi hoffnungslos unterlegen. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch. Weil sich der Westen bei der Versorgung mit Waffen zögerlich zeigt, gehen die Aufständischen selbst ans Werk.

In einem Lager in Radschma, rund 30 Kilometer östlich der Rebellenhochburg Bengasi, bastelt eine Handvoll Ingenieure neue Waffen - aus alten. Als Ersatzteillager dienen gepanzerte Truppentransporter aus Zeiten des Kalten Krieges. "Wir haben nichts, keine Ersatzteile", berichtet der Ingenieur Hamed Mahloof, der gerade versucht, einen gut 50 Jahre alten Schützenpanzer sowjetischer Bauart kurzzuschließen. Rauch steigt auf, Funken fliegen - und plötzlich macht der Panzer einen Satz nach hinten und rollt in die Werkstatt.

Mahloof, der schon seit über 30 Jahren als Panzermechaniker arbeitet, schlachtet in der improvisierten Rüstungsschmiede tagein, tagaus abgewrackte Fahrzeuge aus. Andere Ersatzteile hat er nicht, um die Panzer zu reparieren, die bei den Kämpfen mit Gaddafis Truppen beschädigt werden.

Doch Mahloof und seine drei Kollegen sind mit ihrer Bastelarbeit sichtlich erfolgreich. Um sie herum stehen geplünderte, rostige Wracks in der Sonne. Als nächstes versucht er den sandfarbenen Aufbau eines alten Sowjetpanzers abzubauen, um ihn durch eine verrostete, aber wirkungsvollere Fliegerabwehrkanone zu ersetzen. Die alte Kanone will der Mechaniker später auf die Pritsche eines Geländewagens schrauben. Die zerbeulten und rostigen Toyota-Pickups, auf deren Ladeflächen die Rebellen Schnellfeuergewehre montiert haben, sind längst zum Symbol für den Aufstand in Libyen geworden.

Unter den Unterstützern des Militäreinsatzes der NATO ist umstritten, ob die Rebellen in ihrem Kampf gegen Gaddafi auch mit Waffenlieferungen unterstützt werden sollen. In der vergangenen Woche hatte Frankreich eingeräumt, die Aufständischen aus der Luft mit Gewehren und Munition versorgt zu haben. Mit den "punktuellen Aktionen" Anfang Juni sollten nach Angaben eines französischen Armeesprechers Massaker an Zivilisten verhindert werden.

In einem Bericht der französischen Zeitung "Figaro" war dagegen auch von mit Fallschirmen abgeworfenen Raketenwerfern und Panzerabwehrraketen die Rede gewesen. Russland, aber auch NATO-Verbündete wie Großbritannien kritisierten die Waffenlieferung. Umstritten ist im Westen vor allem die Frage, ob die UN-Resolution zum Libyen-Einsatz eine Aufrüstung der Rebellen zum Schutz der Zivilbevölkerung zulässt - trotz eines kompletten Waffenembargos.

Mangels technisch ausgereifterer Alternativen sind in einem Nebenraum der Rüstungswerkstatt in Radschma drei Männer damit beschäftigt, Panzerfäuste zu basteln - aus Rohren, Griffen von alten Kalaschnikows, Geschirrtüchern und Abzugshebeln, die verdächtig nach Lichtschaltern aussehen. Der Panzermechaniker Mahloof sagt, dass er bald auf neue Waffen hofft. Sollten die Rebellen aber keine bekommen, werde er aber eben weiter "24 Stunden am Tag" arbeiten.

Andrew Beatty/AFP / AFP
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