Russland 20 Tote nach Unfall auf Atom-U-Boot


Bei einem schweren Zwischenfall an Bord eines russischen Atom-U-Boots im Pazifik sind 20 Menschen ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich, als das Feuerlöschsystem des Boots ungeplant ansprang. Der Atomreaktor des U-Boots arbeitet angeblich normal.

Nach einer Havarie mit 20 Toten an Bord hat das atomar betriebene russische U-Boot "Nerpa" am Sonntag an seinem Stützpunkt in Primorje im äußersten Südosten des Landes festgemacht. Das teilte des Sprecher der russischen Marine, Igor Digalo, nach Angaben der Agentur Interfax mit. Acht Jahre nach dem "Kursk"-Unglück sind bei einem Unfall auf dem Atom-U-Boot erneut zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 20 Besatzungsmitglieder und Mitarbeiter einer Werft wurden dabei getötet. Der Reaktor arbeite weiter normal, es gebe keine erhöhten Strahlenwerte, so Digalo. Seinen Angaben zufolge befanden sich 208 Menschen an Bord des U-Boots, darunter 81 Matrosen. Das Unglück soll sich im Schiffsbug ereignet haben.

Strahlenwerte normal

Nach ersten Ermittlungen war in einer Feuerlöschanlage die Chemikalie Freon ausgeströmt, die zum Tod der 20 Menschen führte, wie die Staatsanwaltschaft in Moskau mitteilte. Bei Freon handelt es sich um einen Kunstnamen für Difluordichlormethan, eine Kohlenwasserstoff-Verbindung, die unter anderem auch als Kältemittel in Kühlschränken verwendet wird. Bei dem Unglück am späten Samstagabend waren im Japanischen Meer sechs Marineangehörige und 14 Zivilisten getötet sowie etwa 20 Menschen verletzt worden.

Das Atom-U-Boot war laut Marine noch in der Testphase und sollte Ende des Jahres in Dienst genommen werden. Der erste Tauchgang habe in der vergangenen Woche stattgefunden. Anfangs wollte Marinesprecher Digalo weder den genauen Ort des Unglücks, noch den Namen des Schiffs nennen. Laut RIA-Nowosti wurde das Schiff in der Amur-Werft gebaut und trägt den Namen "Nerpa".

Medwedes ordnete Untersuchung an

Präsident Dmitri Medwedew ordnete offiziellen Angaben zufolge eine umfassende Untersuchung des Vorfalls an. Sein Vorgänger Wladimir Putin war 2000 vorgeworfen worden, er habe zu langsam auf das "Kursk"-Unglück reagiert. Im August 2000 kamen alle 118 Besatzungsmitglieder ums Leben, als das ebenfalls atombetriebene U-Boot "Kursk" nach der Explosion eines Torpedos in der Barentsee verunglückte.

Der Marinesprecher machte auch keine näheren Angaben zum Standort und zur Größe des U-Bootes. Er sagte lediglich, es liege im Pazifischen Ozean. Ein russischer Zerstörer, die "Admiral Tributs" sei dem Boot zu Hilfe gekommen und bringe die Verletzten in einen Hafen. Russischen Medien zufolge hielten sich an dem Marinestützpunkt Wladiwostok im Fernen Osten Ärzte bereit, um die Verwundeten zu versorgen. Wegen stürmischer See wurde der Zerstörer aber erst im Laufe des Tages erwartet.

AP/Reuters AP Reuters

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