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Stichwahl Deutschstämmiger Iohannis wird Präsident von Rumänien


Überraschung bei der Stichwahl in Rumänien: Der deutschstämmige Klaus Iohannis besiegt Favorit Victor Ponta deutlich. Als Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche vertritt er eine Minderheit.

Aus der Stichwahl um das Präsidentenamt in Rumänien ist überraschend der deutschstämmige Konservative Klaus Iohannis als Sieger hervorgegangen. Der bürgerliche Politiker kam auf 54,81 Prozent der Stimmen und besiegte damit seinen sozialistischen Rivalen, den Ministerpräsidenten Victor Ponta. Das erklärte das zentrale Wahlbüro am frühen Morgen nach Auszählung der Stimmzettel in 76,53 Prozent der Wahllokale.

Erste Prognosen auf der Grundlage von Nachwahlbefragungen hatten noch auf ein knappes Rennen zwischen den beiden Politikern hingedeutet, bei den Teilergebnissen war der Abstand dann deutlich. Schon nach den ersten Tendenzen hatte Ponta seine Niederlage eingestanden: "Das Volk hat immer Recht", sagte der 42-Jährige. Er habe Iohannis bereits zum Sieg gratuliert. Er bekräftigte zudem, dass er als Regierungschef im Amt bleiben werde.

"Wir haben gewonnen!", schrieb ebenfalls bereits nach der Veröffentlichung von Prognosen der 55-jährige Iohannis am Sonntagabend auf seiner Facebook-Seite. Der konservative Politiker ist seit 2000 Bürgermeister der Stadt Sibiu (Hermannstadt). Er war bei der ersten Runde deutlich hinter Ponta gelandet, weshalb der Regierungschef als Favorit in die Abstimmung gegangen war. Neuen Angaben zufolge lag die Wahlbeteiligung allerdings bei ungewöhnlich hohen 62 Prozent, was maßgeblich zu Iohannis' Sieg beigetragen haben dürfte.

Iohannis vertritt zwei Minderheiten

Bei dem spannenden Duell zwischen Iohannis und Ponta ging es um die Nachfolge des scheidenden Staatschefs Traian Basescu, der gemäß der Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten durfte. Ponta war für die Sozialdemokratische Partei (PSD) angetreten. Der ehemalige Staatsanwalt für Korruptionsfälle gilt als besonders verankert in der ländlichen Bevölkerung, außerdem genießt er den Rückhalt der einflussreichen Rumänisch-Orthodoxen.

Iohannis kandidierte für die Christlich-Liberale Allianz (ACL) mit dem Versprechen, die Rechtsstaatlichkeit zu stärken und ausländische Investoren anzulocken. Als Deutsch-Rumäne und Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche vertritt Iohannis gleich zwei gesellschaftliche Minderheiten.

Tränengas vor Botschaft in Paris

In der Hauptstadt Bukarest gingen noch am Sonntagabend rund 10.000 Menschen auf die Straße, um Iohannis' Sieg zu feiern. Sie schwenkten rumänische Fahnen und bejubelten ihren neuen Präsidenten, der kurz erschien, um die Menge zu grüßen. Die Menschen zeigten sich außerdem solidarisch mit den im Ausland lebenden Rumänen, von denen Tausende wegen fehlender Wahllokale nicht abstimmen konnten.

In Paris war es am Abend zu Auseinandersetzungen gekommen: Dort ging die Polizei vor der rumänischen Botschaft mit Tränengas gegen aufgebrachte Rumänen vor, die bei der Schließung des Gebäudes versuchten, dort einzudringen, um noch ihre Stimme abzugeben.

nck/AFP/DPA DPA

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