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Todesschüsse an der Grenze: Nordkoreanischer Deserteur flüchtet in den Süden

Es ist eine spektakuläre Flucht, die die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea verschärfen dürfte: Ein Soldat tötet zwei Vorgesetzte und setzt sich in den Süden ab.

Die Flucht mutet an wie eine Szene aus einem Actionfilm: Binnen weniger Minuten erschießt ein nordkoreanischer Soldat an der Grenze zum Süden seine beiden Vorgesetzten und sprintet auf die andere Seite in Sicherheit. Er ist der erste nordkoreanische Deserteur seit zweieinhalb Jahren, der sich auf dem Landweg nach Südkorea absetzen konnte. Die Flucht dürfte das ohnehin angespannte Verhältnis der beiden verfeindeten Staaten zusätzlich belasten.

Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, die sich auf den Generalstabschef berief, spielte sich die gefährliche Aktion folgendermaßen ab: Während der Soldat an der schwer gesicherten Grenze Wache schob, eröffnete er das Feuer auf seinen Zug- und auf seinen Gruppenführer. Südkoreanische Grenzschützer bestätigten später, sie hätten sechs Schüsse gehört und dann gesehen, wie nordkoreanische Militärs zwei Körper zu einem Wachposten schleiften. Eine unabhängige Bestätigung für die nordkoreanischen Todesopfer gibt es bisher nicht.

Um Punkt 12.06 Uhr Ortszeit überquerte der Deserteur die westliche Sektion der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Koreas, vier Minuten später erreichte er den südkoreanischen Grenzposten - unbewaffnet. Per Lautsprecher kontaktierten die Wachposten den Soldaten, um sich zu vergewissern, dass er desertieren will.

Südkorea ist in Alarmbereitschaft

Welchen Dienstgrad der geflüchtete Soldat hatte, gab das südkoreanische Militär nicht bekannt. Der Flüchtling werde befragt.

Die Flucht gelang dem Nordkoreaner laut "The Korea Times" an einer besonders sensiblen Stelle: Viele Südkoreaner passieren den dortigen Grenzübergang, um zu einem Industriegebiet nahe der nordkoreanischen Stadt Kaesong zu gelangen. Dort arbeiten der Zeitung zufolge mehr als 50.000 Nordkoreaner in rund 120 südkoreanischen Fabriken. Die Grenzposten auf beiden Seiten sind kaum 500 Meter voneinander entfernt. Das Industriegebiet Kaesong ist eine Sonderwirtschaftszone. Dort haben sich klein- und mittelständische Unternehmen aus Südkorea angesiedelt.

Während das südkoreanische Militär angesichts des Vorfalls in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt wurde, ist noch keine Reaktion aus dem kommunistischen Nachbarstaat bekannt geworden. Bislang meldet Südkoreas Armee keine ungewöhnlichen Manöver auf der anderen Seite, mit der sich das Land seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953 im Waffenstillstand befindet.

Mareike Rehberg mit Agenturen
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