Todesstrafe Giftspritze in den USA auf dem Prüfstand


Die Injektion enthält verschiedene Chemikalien und führt womöglich zu grausamen Qualen, bevor der Tod eintritt. Daher geht der Oberste Gerichtshof der USA jetzt der Frage nach, ob Exekutionen mit der Giftspritze zulässig sind.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat sich am 7. Januar 2008 ersten Mal mit der Zulässigkeit der Giftspritze bei Hinrichtungen beschäftigt. Im Mittelpunkt der mündlichen Verhandlung stand die Klage von zwei zum Tode verurteilten Häftlingen in Kentucky. Sie machen in ihrem gerichtlichen Vorstoß geltend, dass die Injektion mit drei verschiedenen Chemikalien zu Qualen bei der Exekution führen könnte und diese Hinrichtungsmethode daher als grausame Bestrafung gegen die US-Verfassung verstoße.

Die höchsten Richter hatten im September entschieden, sich des Falls anzunehmen, nachdem der Streit um die Giftspritze in mehreren Staaten zu einer Aussetzung von Hinrichtungen geführt hatte. Seitdem herrscht praktisch ein Exekutionsmoratorium in den 36 der 37 US-Staaten mit der Todesstrafe und der Injektionsnadel als Methode. In Nebraska gibt es immer noch den elektrischen Stuhl.

Hinrichtungen könnten jahrelang ausgesetzt bleiben

Mit einer Entscheidung des Gerichts wird nicht vor dem Frühsommer gerechnet. Sollte der Supreme Court den Argumenten der Kläger folgen, wird er vermutlich die einzelnen Staaten anweisen, nach einer neuen schmerzlosen Methode zu suchen. Äußerungen eines der höchsten Richter, David Souter, während der Verhandlung deuteten darauf hin, dass niedrigere gerichtliche Instanzen zumindest damit beauftragt werden könnten, Alternativen zu prüfen. Bisher habe es keine vergleichenden "Analysen" gegeben, sagte Souter. Ein solcher Schritt könnte dazu führen, dass die Hinrichtungen in den USA jahrelang ausgesetzt bleiben, was das höchste Gericht nach den Aussagen mehrerer Richter aber wiederum gern vermeiden möchte.

Die Kläger selbst sehen in der Injektion mit der hohen Überdosis eines einzelnen Betäubungsmittels die beste Alternative, wie ihre Rechtsvertreter vor dem Gericht darlegten. Bisher wurde es in geringeren Mengen bei Hinrichtungen als erste Chemikalie gespritzt, gefolgt von einem Mittel zur Muskellähmung mit Ausnahme des Herzens, das dann mit einem dritten Stoff zum Stillstand gebracht wurde.

Mehrere wissenschaftliche Studien auf der Basis von Obduktionen Hingerichteter haben indessen den Verdacht erhärtet, dass die Verurteilten bei vollem Bewusstsein qualvoll ersticken können, wenn die erste Dosis des Betäubungsmittels nicht hoch genug ist. Durch das zweite Mittel gelähmt, könnten die Häftlinge ihre Schmerzen nicht einmal herausschreien.

Für den Staat Kentucky argumentierte Anwalt Roy Englert indessen vor den Obersten Richtern, es gebe kein "ausreichendes" Risiko von Schmerzen bei der Anwendung der bisherigen Methode, das eine Änderung nötig machen würde. Außerdem könnte das Einspritzen lediglich einer Betäubungsmittel-Überdosis zu - allerdings schmerzlosen - Muskelzuckungen führen, was den Augenzeugen bei den Exekutionen nicht zugemutet werden sollte.

DPA


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