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Überfall auf internationales Hilfsteam Mehrere Ärzte in Afghanistan erschossen


Im Nordosten Afghanistans sind acht ausländische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation tot aufgefunden worden. Unter den Opfern befindet sich mindestens eine Deutsche.

Acht ausländische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation und zwei mit ihnen reisende Afghanen sind in Afghanistan getötet worden. Die von Kugeln durchsiebten Leichen wurden in einem entlegenen Berggebiet im Nordosten des Landes gefunden, sagte der Polizeichef des Gebiets, Agha Noor Kentooz. Unter den Toten befindet sich mindestens eine Deutsche. Zunächst hatte es geheißen, sechs der Opfer seien Deutsche.

Nun teilte die christliche Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM) mit, neben der Deutschen seien noch sechs Amerikaner und ein Brite umgebracht worden. Einige der Opfer sollen Ärzte gewesen sein. Nach stern.de-Informationen gibt es noch keine endgültige Klarheit über die Nationalitäten der Toten. Die Bundesregierung bestätigte allerdings, dass eine Deutsche unter den Opfern sei. Der Ort des Überfalls liegt laut Angaben von Polizisten zwölf Stunden entfernt vom letzten befahrbaren Weg.

IAM-Direktor Dirk Frans sagte, die Gruppe sei von einer Augenklinik in Nuristan auf dem Rückweg nach Kabul gewesen. Das Team von Augenärzten und Assistenten der seit 1966 in Afghanistan ansässigen Hilfsorganisation war für ihr regelmäßig durchgeführtes "Eye Camp" unterwegs: eine Art mobiler Augenbehandlung, bei der die Ärzte in entlegenen Dörfern Grauen Star und andere Augenkrankheiten behandeln.

Fahrzeuge zurückgelassen und zu Pferd weitergezogen

Nach stern.de-Informationen hatte das Team wegen der sintflutartigen Regenfälle in den vergangenen Wochen seine Fahrzeuge zurückgelassen und war mit Pferden weitergezogen - bis zu dem Ort im Grenzgebiet zweier Provinzen, wo die Ärzte ermordet wurden.

Obwohl die Provinz Badakhshan als relativ ruhig gilt, ist der südliche Bezirk Koran Wa Menjan gefährlich, da er an die fast gänzlich von Taliban und anderen Aufstandsgruppen beherrschte, extrem unzugängliche Provinz Nuristan grenzt.

Der Überfall soll bereits vor zwei Wochen ereignet haben. Die Leichen seien jedoch erst am Donnerstag gefunden worden, sagte Kentooz. Ein Afghane habe den Überfall in dem sehr abgelegenen Gebiet überlebt und sich zu einer Polizeistation durchgeschlagen.

'Ich bin Muslim. Tötet mich nicht"

Er habe berichtet, die Mediziner seien am letzten Tag der Reise von einer Gruppe Bewaffneter angehalten worden. Diese hätten sie in einer Reihe aufgestellt und erschossen. Der überlebene Afghane habe die Täter um Gnade angefleht, berichtete der Polizeichef: "Er sagte mir, er habe geschrien und den heiligen Koran rezitiert und gesagt: 'Ich bin Muslim. Tötet mich nicht.'"

Derweil reklamieren die Taliban den tödlichen Angriff für sich. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte der Nachrichtenagentur DPA per Telefon, es habe sich um "christliche Missionare" gehandelt, die Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten. "Wir haben Spionage-Dokumente bei ihnen gefunden."

Dagegen hält der Polizeichef auch einen Raubüberfall für möglich. Geld und Ausrüstung der Reisegruppe sind offenbar gestohlen worden. Dorfbewohner hätten die Gruppe in der Region vor 15 Tagen gesehen. Vor zwei Tagen hätten Dorfbewohner der Polizei gemeldet, sie hätten die verlassenen Geländewagen der Ausländer gesehen. Daraufhin seien Suchmannschaften in das Gebiet geschickt worden.

söw/DPA/DAPD DPA

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