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"Ukraine – die Lage" Militär-Experte Masala zu Kiew-Besuch von Scholz: "Viel mehr als leere Hände waren das nicht"

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj (l) und Bundeskanzler Olaf Scholz (r)
"Im Prinzip war ja die Rede ich fahre nicht mit leeren Händen nach Kiew. Viel mehr, als leere Hände waren das nicht.", sagt der Militär-Experte Carlo Masala im stern-Podcast "Ukraine – die Lage"
© Kay Nietfeld / DPA
Bundeskanzler Olaf Scholz hat nach langem Zögern die Ukraine besucht. Aber hat seine Visite irgendetwas gebracht? Eher nicht. Es sei "nichts passiert, was einen Einfluss auf den Kriegsverlauf haben wird", urteilt Militärexperte Masala.

Der Besuch des Bundeskanzlers in Kiew hat nach Einschätzungen des Militärexperten Carlo Masala nicht die substantiellen Ergebnisse gebracht, die Olaf Scholz eigentlich als Bedingung für eine Reise in die Ukraine genannt hatte. "Viel mehr als leere Hände waren das nicht", sagte Masala am Freitag im stern-Podcast "Ukraine – die Lage". Zumindest nicht, wenn bei den Gesprächen der europäischen Spitzenpolitiker mit der ukrainischen Führung nichts verabredet worden sei, von dem die Öffentlichkeit bislang nichts wisse.

Masala: Scholz-Besuch könne "Beginn einer veränderten Beziehung markieren"

Natürlich sei die Perspektive einer EU-Mitgliedschaft für die Ukraine wichtig, sagte der Politikprofessor der Bundeswehruniversität München, "aber das ist ja ein Prozess der elendig lange dauert". Es sei ein wichtiges symbolisches Bild gegeben worden. "Aber von der Substanz her ist gestern nichts passiert, was einen Einfluss auf den Kriegsverlauf haben wird." Die künftigen Beziehungen Deutschlands zur Ukraine hängen nach Masalas Einschätzung entscheidend davon ab, ob die versprochenen Waffen nun auch wie geplant ankommen. Er sagte, der Besuch von Scholz könne den Beginn einer veränderten Beziehung markieren. Falls die Probleme bei den Waffenlieferungen aber nicht überwunden würden, werde der Effekt des Besuchs innerhalb weniger Wochen verpuffen.

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Für die Ukraine sei es entscheidend, dass sie schnell Waffen erhalte. "Der Sommer ist die kritische Phase", sagte Masala. "Wenn über den Sommer nicht der Zulauf der sogenannten schweren Waffen massiv erfolgt, dann könnte sich das Blatt endgültig zugunsten der russischen Föderation drehen." Dies gelte für die militärische Auseinandersetzung zwischen den beiden Staaten. "Dann könnten sich die Ukrainer gezwungen sehen, im Herbst und im Winter in eine andere Strategie zu gehen; diese Strategie wäre eine Art Guerilla- und Partisanenkrieg." Mit Blick auf mögliche Verhandlungen über einen Frieden verwies er darauf, dass die Europäer zwar in irgendeiner Form beteiligt werden könnten. Entscheidend werde aber sein, "dass die Vereinigten Staaten direkt oder indirekt mit am Tisch sitzen werden". Russlands Präsident Wladimir Putin gehe es um Augenhöhe mit den USA. "Aus russischer Perspektive ist die Europäische Union kein einheitlicher Akteur, der Macht genug hat, dass Russland ihn akzeptieren müsste als ernsthaften Gegenspieler oder Verhandler."

rw

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