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Untersuchungsausschuss: Ex-Mitarbeiter: Bush schwächte Antiterrorkrieg

US-Präsident George W. Bush hat den Antiterrorkrieg nach Einschätzung eines hochrangigen ehemaligen Mitarbeiters mit der Invasion des Iraks erheblich geschwächt.

US-Präsident George W. Bush hat den Antiterrorkrieg nach Einschätzung eines hochrangigen ehemaligen Mitarbeiters mit der Invasion des Iraks erheblich geschwächt. Die Terrorbekämpfung sei anders als unter Bushs Vorgänger Bill Clinton eine wichtige, aber keine "dringliche Angelegenheit" gewesen, sagte der ehemalige Terrorabwehr-Berater des Präsidenten, Richard Clarke, vor dem unabhängigen Ausschuss zur Untersuchung der Anschläge vom 11. September 2001.

"Mit der Invasion im Irak hat der amerikanische Präsident den Anti-Terror-Krieg erheblich geschwächt", sagte Clarke. Gleichzeitig entschuldigte sich Clarke bei den Angehörigen der Anschlagsopfer. "Die Regierung hat Sie im Stich gelassen, und ich habe es auch."

"Verleumdung!"

Die US-Regierung wies Clarkes Vorwürfe vehement zurück. Die nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice nannte Clarkes Aussage "verleumderisch". Sie selbst habe Clarke im Sommer 2001 angewiesen, dafür zu sorgen, dass auch das Inland besser gegen mögliche Terrorangriffe geschützt wird. Clarke habe die jetzigen Vorwürfe auch nach seinem Ausscheiden aus dem Regierungsdienst im vergangenen Jahr im Gespräch nie geäußert.

Frustriert um Versetzung gebeten

Er habe wegen der El Kaida-Gefahr immer wieder vergeblich versucht, eine Dringlichkeitssitzung auf höchster Ebene zu erreichen, sagte Clarke. Frustriert habe er im Juni 2001 um eine Versetzung gebeten. Sieben Tage vor den Anschlägen schrieb Clarke an Rice, Regierungsbeamte sollten sich einmal eine Situation mit Hunderten bei einem Terroranschlag getöteten Amerikanern vorstellen, nach dem die Frage aufkäme: Was hätten wir tun können?

Der Ausschuss soll prüfen, ob die Terroranschläge vom 11. September hätten verhindert werden können. "Wir haben von systematischem Versagen gehört", sagte der Ausschuss-Vorsitzende Thomas Kean. Die Kommunikation habe nicht funktioniert. Er sei nach wie vor davon überzeugt, dass die Anschläge hätten verhindert werden können.

Auch CIA-Chef gibt Fehler zu

Der US-Geheimdienst CIA hätte seinem Chef George Tenet zufolge mehr unternehmen können, um die Anschläge vom 11. September 2001 abzuwehren. "Wir haben nicht alle Daten, die wir hatten, richtig zusammengeführt“, sagte er vor einer Untersuchungskommission. "Vermutlich hatten wir auch eine Menge Daten, von denen wir nichts wussten und die uns eine Chance gegeben hätten, wenn jeder sie gekannt hätte", so Tenet. "Vielleicht hätten wir eine Chance gehabt. Ich kann Ihnen so oder so keine Vorhersagen machen." Er wies Kritik zurück, der US-Geheimdienst habe sich risikoscheu verhalten. "Wir haben nicht das Geheimnis gestohlen, das uns den Plan verraten hätte, wir haben nicht die richtigen Leute angeheuert oder die Daten technisch erfasst, trotz groß angelegter Versuche", sagte er.

DPA