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Urteil zum Massaker in Srebrenica: Niederlande tragen Teilschuld am Tod von 300 Menschen

Das Massaker von Srebrenica gilt als größtes Kriegsverbrechen in Europa nach 1945. Ein Gericht befand die Niederlande nun für mitschuldig: Sie hätten die Deportation von 300 Männern verhindern sollen.

Im Verfahren um das Massaker von Srebrenica hat ein niederländisches Gericht den Staat für den Tod von mehr als 300 muslimischen Männern und Jungen zivilrechtlich verantwortlich gemacht.

Der Staat trage Mitschuld am Tod der am Nachmittag des 13. Juli 1995 aus dem Lager der niederländischen Blauhelme in Potocari deportierten Männer, urteilte Richterin Larissa Elwin in Den Haag. Geklagt hatte die Vereinigung "Mütter von Srebrenica", in der Angehörige von Opfern des Massakers im Bosnien-Krieg zusammengeschlossen sind.

Bei dem Massaker bosnisch-serbischer Milizen waren in der Kleinstadt Srebrenica binnen weniger Tage etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet worden. Die schlecht ausgerüstete niederländische UN-Truppe leistete keinen Widerstand, als die Milizen anrückten.

Niederlande weisen Vorwürfe zurück

Einem UN-Bericht zufolge überließ sie alle Beobachtungsposten und Sperren widerstandslos den bosnischen Serben. Der niederländische Staat weist aber alle Verantwortung für das Massaker zurück, unter anderem weil die Soldaten unter UN-Führung standen.

Die niederländische Justiz machte aber bereits vergangenen September den Staat haftbar für den Tod von drei Männern in Srebrenica. Das Kassationsgericht in Den Haag bestätigte damals ein früheres Urteil, wonach die mit dem Schutz der UN-Enklave im Osten Bosniens beauftragten niederländischen Blauhelme die Männer nicht den Serben hätten ausliefern dürfen.

Das Massaker ging als folgenschwerstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Geschichte ein und wurde als Völkermord eingestuft.

kis/AFP / AFP