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US-Angriff auf Syrien: Trumps Risikopolitik

Die Russen? Die Folgen? Egal. Trump hat Syrien angegriffen. Endlich passiert etwas. Gut? Schlecht? stern-Reporter Florian Güßgen hat darauf keine eindeutige Antwort.

Donald Trump

Schreckt nicht vor hohen Einsätzen zurück: Donald Trump

Donald Trump macht Politik wie ein Unternehmer: mit hohem Risiko, schnell, entschieden, mal aus schlechten Gründen, wie beim Einreiseverbot für Muslime, mal aus guten Gründen, wie jetzt bei dem Raketenangriff auf Syrien.

Nur ist eine Regierung eben kein Start-Up. "Disruptiv" zu sein, kann verheerende Folgen haben, im Fall des Scheiterns und des Erfolgs, so oder so. Im Fall des Einreiseverbots für Muslime war ich froh, dass Trump auf die Nase gefallen ist, dass die US-Institutionen ihn zumindest vorerst ausgebremst, Strukturen ihn eingehegt haben.

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Aber was ist mit Syrien? Trump scheint wieder genauso Politik zu machen wie beim Einreiseverbot. Impulsiv, aus dem Bauch raus. Aber es fällt mir viel schwerer, hier eine Haltung zu entwickeln. Denn es ist ein Leichtes, diese Vergeltungsaktion für den Giftgasangriff zu kritisieren, auf die Kosten der möglichen Reaktionen aus Moskau hinzuweisen, auf die möglichen Folgen. Auch ist es ein Leichtes, vor einer impulsiven Weltmacht USA zu warnen, die im Twitterspeed über Waffengänge zu entscheiden scheint.

Trumps Politik: Es ist völlig unklar, was am Ende rauskommt

Nur: In Syrien ist alle oberschlaue Besserwisserei seit Jahren am Ende. Alles ist dort unerträglich, Diplomatie offenbar machtlos. Und wir sind alle Heuchler, wenn wir, sehr betroffen zwar, aber untätig, weiter zusehen. Ist die harte, unilaterale Linie Trumps am Ende also der einzige Weg, um in Syrien etwas zu bewegen, kann eine Hochrisikopolitik etwas verbessern? Noch viel allgemeiner gefragt: ist das Wagnis - sorry, Willy, sorry - vielleicht der einzige Weg, um in der Politik, auch der internationalen, überhaupt etwas zu ändern? Oder ist diese Politik ein sehr waches, lautes Schlafwandeln in einen noch viel größeren Wahnsinn?

Ich bin ratlos. Aber vielleicht muss man sich auf dieses Wesensmerkmal der Politik in Zeiten von Trump einstellen: Es ist völlig unklar, was am Ende rauskommt, vielleicht, hoffentlich, ist sogar etwas Gutes dabei. Sicher ist nur, dass sehr, sehr viel auf dem Spiel steht. Mehr als bei jedem anderen Start-Up. Und dass Trump auch vor hohen Einsätzen nicht zurückzuckt.

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