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Nach Charlottesville Von 1943 und erschreckend aktuell: US-Film gegen Faschismus wird nach 74 Jahren populär

1943 hat das damalige US-Kriegsministerium einen Film gegen Faschismus veröffentlicht. Seit den Ausschreitungen von Charlottesville verbreitet sich "Sei kein Trottel" in den sozialen Netzwerken.
"Meine Freunde, ich bin nur ein ganz normaler Amerikaner. Aber ich bin ein amerikanischer Amerikaner. Und manche Dinge, die ich in unserem Land sehe, lassen mein Blut kochen. Ich sehe Ausländer, die Geld haben. Ich sehe Schwarze, die Jobs haben, die eigentlich mir und euch gehören sollten. Ich frage euch: Wenn wir das weiter dulden, was passiert dann mit uns richtigen Amerikanern?" "Ich habe so ein Gerede schon einmal gehört, aber ich hätte nie gedacht, so etwas einmal in Amerika zu hören." "Er scheint zu wissen, wovon er spricht." "Was werden wir echte Amerikaner dagegen tun? Die Antwort ist hier in diesem kleinen Heftchen. Die Wahrheit über Schwarze und Ausländer. Die Wahrheit über die katholische Kirche." "Glaubst Du diesem Gerede?" "Keine Ahnung. Aber das klingt schon einleuchtend." "Und ich sage euch, Freunde: Wir werden dieses Land nicht als das unsere bezeichnen können, bis es ein Land ohne ist. Ohne was?" "Ja, ohne was?" "Ohne Schwarze! Ohne Ausländer! Ohne Katholiken! Ohne Freimaurer!" "Was ist denn an den Freimaurern verkehrt? Ich bin einer. Der Typ redet über mich!" "Und das mache jetzt den Unterschied, was?" "Das sind eure Feinde! Das sind die Leute, die dieses Land übernehmen wollen. Jetzt kennt ihr sie und ihre Ziele! Und es ist an mir und euch, sie zu bekämpfen. Bekämpft und zerstört sie, bevor sie uns zerstören! Danke." "Bevor er Freimaurer gesagt hat, hättest Du ihm voll zugestimmt?" "Ja, aber er hat darüber geredet, dass – was ist mit den anderen Leuten?" "In diesem Land gibt es keine ‚anderen Leute’. Wir sind alle Amerikaner." "Was ist mit Dir? Du bist kein Amerikaner, oder?" "Ich wurde in Ungarn geboren, aber jetzt bin ich ein amerikanischer Staatsbürger. Und ich habe gesehen, was dieses Gerede anrichten kann. Ich habe es in Berlin gesehen." "Was hast Du dort gemacht?" "Ich war Professor an der Uni. Dort habe ich die gleichen Worte gehört wie wir heute hier. Aber damals war ich naiv. Ich dachte, Nazis seien verrückte Leute, dumme Fanatiker. Leider lag ich da falsch. Sie wussten, dass sie nicht stark genug sind, ein Land zu erobern, das zusammensteht. Also haben sie Deutschland in kleine Gruppen aufgeteilt. Sie nutzten Vorurteile als Waffe, um die Nation zu lähmen. Das war nicht leicht. Sie mussten hart arbeiten, um das zu erreichen. Weißt du, wir Menschen sind nicht mit Vorurteilen geboren. Sie werden immer nur für uns gemacht. Von jemandem, der etwas will. Denke daran, wenn du so ein Gerede hörst. Jemand wird davon profitieren. Und das wirst nicht du sein. Das ist keine Theorie aus dem Schulunterricht. Ich habe es passieren sehen."
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Die Ausschreitungen Rechtsextremer in Charlottesville und der Anschlag auf die Gegendemonstration haben einem Film aus den Archiven zu großer Popularität verholfen. Der Film gegen Faschismus verbreitet sich schnell im Netz.

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