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US-Kongresswahlen: Einer hat schon gewählt

Sein Name steht auf keinem Wahlzettel. Aber bei den US-Kongresswahlen geht es vor allem um die Politik von George W. Bush. Der US-Präsident hat seine Stimme schon abgegeben und Zuversicht gezeigt. Doch selbst in seiner Partei herrscht Skepsis vor.

Vom Ergebnis der Kongresswahlen hängt ab, wie viel Handlungsspielraum US-Präsident George W. Bush in den letzten beiden Jahren seiner zweiten Amtszeit noch bleiben wird. In der Feuerwache von Crawford in Texas gab Bush am Dienstag kurz nach Sonnenaufgang seine Stimme ab. Er rief danach alle Menschen in USA auf, wählen zu gehen. "Wir leben in einer freien Gesellschaft und unsere Regierung ist nur so gut wie die Bereitschaft der Menschen, sich daran zu beteiligen", sagte Bush, an dessen brauner Jacke ein "I voted"-Sticker hing.

Reise durch zehn Staaten

Der Präsident war zuletzt durch zehn US-Staaten gereist, um die Wähler zu mobilisieren. Bushs fünftägige Reise durch die republikanischen Hochburgen habe die Basis noch einmal motiviert, erklärt die Parteiführung. Dahinter steht die Hoffnung, dass die eingespielte Maschinerie zur Mobilisierung der Wähler es doch noch schafft, den Angriff der Demokraten auf die Mehrheit im Kongress abzuwehren.

Unter der Hand räumten Parteistrategen aber ein, dass die Chance eher gering sei, dass die Republikaner im Repräsentantenhaus die Mehrheit behalten könnten. In vielen Orten sei die Wahl zu einem Referendum über die Politik Bushs, den Irak-Krieg und die Skandale in Washington geworden.

Bush wies die Umfragen, die seiner Partei eine klare Niederlage prophezeiten, auf Veranstaltungen immer wieder von sich. "Ich weiß, dass wir am Ende stark sein werden", erklärte er auf einer Kundgebung in Arkansas. "Ich weiß, dass wir mit Macht in den Wahltag gehen, denn wir haben die richtigen Positionen zu den Steuern, wir haben die richtigen Positionen, wenn es darum geht, wie wir euch vor einem Angriff schützen können." Bushs Anwesenheit sei an jedem Ort wertvoll gewesen, erklärt Sara Taylor, eine Mitarbeiterin des Präsidenten. "Er mobilisiert die Wähler in umkämpften Wahlkreisen, wo die Wahlbeteiligung den Ausschlag gibt."

Diesen Beteuerungen ungeachtet hatte das Weiße Haus immer wieder gegen den Eindruck zu kämpfen, Bush schade seiner Partei mindestens genau so wie er ihr nütze - in einigen Bezirken sei er sogar unerwünscht. Dieser Eindruck entstand wieder am Montag, als der republikanische Gouverneurskandidat Charlie Crist die Chance ungenutzt ließ, zusammen mit Bush in Florida aufzutreten. Aber die Republikaner kämpfen auch gegen die Geschichte und gegen die Statistik. Wenn ein Präsident in den Umfragen unter einer Zustimmung von 50 Prozent lag, musste seine Partei bei der Zwischenwahl zum Kongress einen Verlust von mindestens 15 Mandaten hinnehmen. Genauso viele Sitze brauchen die Demokraten, um wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu bekommen. Die Zustimmung zu Bush lag zuletzt bei unter 40 Prozent.

Wahlen für Kongress und Gouverneure

Bei den Wahlen geht es um alle 435 Abgeordnetenmandate im Repräsentantenhaus sowie um 33 der 100 Sitze im Senat. In 36 der 50 Einzelstaaten finden außerdem Gouverneurswahlen statt. Wahlberechtigt sind rund 200 Millionen Amerikaner.

Die ersten Wahllokale öffneten an der Ostküste um 06.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MEZ) und schließen um 18.00 Uhr (24.00 Uhr MEZ). An der Westküste schließen die letzten Wahllokale erst am Mittwoch um 06.00 Uhr MEZ. Mit ersten Ergebnissen wird am Mittwoch gegen 01.00 Uhr MEZ gerechnet.

AP / AP
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