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US-Präsidentschaftskandidatur: Die Frau gegen den Schwarzen

Die kühle Blonde gegen den charismatischen Jungen: Schon der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten verspricht ein Wahlkrimi zu werden. Doch sowohl Hillary Clinton als auch Barack Obama haben Schwachstellen.

Jetzt ist es offiziell: Hillary Clinton will zurück ins Weiße Haus, und diesmal will sie die erste Geige spielen. Dass die machtbewusste einstige First Lady und jetzige New Yorker Senatorin (59) in den Ring steigt, war seit langem erwartet worden. Trotzdem löste ihre Mitteilung vom Samstag in den USA "eine Aufregung aus, als wäre es eine Überraschung", wie es ein CNN-Kommentator formulierte. Das hat nicht nur damit zu tun, wer sie ist, sondern auch damit, gegen wen sie antritt. Hillary Clinton gegen Barack Obama (45), die Frau gegen den Schwarzen, die politisch routinierte, intelligente kühle Blondine gegen den jungenhaft-charismatischen, aber unerfahrenen Politiker: Das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur allein verspricht schon einen Wahlkrimi.

Dabei könnte es angesichts eines ungewöhnlich breit gefächerten und noch wachsenden Bewerberfeldes sehr wohl einen lachenden Dritten geben. So gilt es etwa immer noch als möglich, dass der im Jahr 2000 George W. Bush unterlegene Al Gore antritt. Aber vorläufig ist es das Duell Clinton-Obama, auf das sich alle Welt konzentriert: die erste Frau und der erste Schwarze in der Geschichte der USA, die sich um das Spitzenamt bewerben, ohne Außenseiter zu sein.

Ist die USA Reif für eine Frau - oder einen Schwarzen?

Beide haben ihre Schwachstellen, und die größte davon ist ihnen gemeinsam: ihre Siegeschancen bei der Präsidentschaftswahl selbst. Nicht nur bezweifeln auch viele Demokraten, dass die USA "reif" für eine Frau oder einen Schwarzen im Weißen Haus sind. Hillary Clinton könnte es auch das Genick brechen, dass sie eine Vergangenheit hat und Obama, dass er keine hat - nämlich nur zwei Jahre Senatserfahrung. Und das wiederum dürfte beide zu Traumkandidaten in den Augen der Republikaner machen, wie es in Fernsehkommentaren hieß. Das gilt besonders für die Frau von Expräsident Bill Clinton. So zitierten schon im vergangenen Jahr Medien den konservativen Prediger Jerry Falwell mit den Worten: "Nichts würde meine Anhänger mehr motivieren, nicht einmal, wenn der Teufel selbst anträte."

Seit Clinton als First Lady stark ins Rampenlicht trat, gilt sie als eine der am heftigsten polarisierenden Persönlichkeiten auf der Washingtoner Bühne - eine Frau, die von den einen genauso leidenschaftlich verehrt wie sie von den anderen gehasst wird. Demokraten selbst fürchten auch, dass viele Bürger nach den acht Clinton-Clan-Jahren im Weißen Haus, in denen Hillary nach Ansicht vieler zu stark mitregierte, "Clinton-müde" geworden sind, zumal nach dem Lewinsky-Sexskandal. Und haben US-Medien bisher angesichts ihrer Erfahrung und Zielstrebigkeit auch großen Respekt bekundet, so wird in manchen Kommentaren zugleich ein persönlich wenig schmeichelhaftes Bild gezeichnet. Als kalt und berechnend ist sie unter anderem porträtiert worden, wenig inspirierend und ohne Visionen - das krasse Gegenteil zu Obama, der wegen seiner mit Nachdenklichkeit gepaarten Frische bisweilen sogar mit John F. Kennedy verglichen wird.

Image der kühl Kalkulierenden

Neue Munition fanden Hillary-Kritiker und -Hasser darin, dass sich die Senatorin, die seinerzeit im Kongress für den Irakkrieg stimmte, erst vor wenigen Tagen offen und entschieden gegen die von Bush geplante Truppenaufstockung wandte. Das war nach dem Ausbruch eines Proteststurms gegen den Plan im Senat - und kurz vor der offiziellen Bekanntgabe ihrer Präsidentschaftsbewerbung. Dass das Image einer kühl Kalkulierenden eine Achillesferse ist, ist ihr aber offensichtlich klar: So sagte sie in ihrer Mitteilung am Samstag, sie wolle ein Gespräch mit den Menschen, und sie wolle zuhören - nach Einschätzung von Analysten wie Peter Wallsten von der "Los Angeles Times" ein klarer Versuch, "wärmer" zu erscheinen.

Allerdings hat Hillary neben Erfahrung noch einen anderen entscheidenden Vorteil gegenüber allen ihren internen Kontrahenten: Geld. Mehr als 100 Millionen Dollar muss nach Expertenschätzungen ein Kandidat in der "Kriegskasse" haben, um im Wahlkampf auch nur mithalten zu können. Niemand aber hat es bisher geschafft, so viel Geld locker zu machen wie die Clintons.

Gabriele Chwallek/DPA / DPA