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US-Streitkräfte: Warum Deutsche in US-Uniformen kämpfen

"Mache deinen Abschluss ohne Studiengebühren" - so wirbt die US-Nationalgarde um Rekruten. Da hatte der Landshuter Raymond Ritzau nicht widerstehen können - und schloss sich dem US-Militär an.

Raymond Ritzau sitzt in der Bar "Rock Bottom" im Washingtoner Vorort Bethesda und rührt nervös in seinem Drink. "Natürlich habe ich Angst", sagt der 23-Jährige aus Landshut in Bayern, der mit seinem Bürstenhaarschnitt und dem blauen Footballtrikot der Texas Cowboys wie viele junge Amerikaner aussieht. Ritzau ist aufgewühlt, weil mit jedem Tag sein Einsatz im Irak näher rückt. Er ist einer von insgesamt 193 Deutschen im US-Militär, so die offizielle Zahl des Pentagons. Über 32.000 andere Ausländer dienten ebenfalls in den US-Streitkräften. Für die meisten geht es dabei allerdings weniger um Abenteuerlust oder Patriotismus für die USA, sondern vielmehr um handfeste Vorteile wie den Erlass von Studiengebühren oder die US-Staatsbürgerschaft.

"Ich hätte es mir nicht leisten können", sagt Ritzau über sein Betriebswirtschafts-Studium am Montgomery College in Rockville (US-Bundesstaat Maryland). "Mache deinen Abschluss ohne Studiengebühren" - so wirbt die US-Nationalgarde um Rekruten. Da hatte Ritzau nicht widerstehen können. Die kompletten Studiengebühren von 1500 Dollar (etwa 1200 Euro) pro Semester wird nun der Staat für ihn bezahlen.

"Bisher" keine deutschen Opfer

Laut Pentagon stammen die ausländischen Soldaten im amerikanischen Sold aus rund 190 Staaten. Fast 6400 Soldaten ohne die US-Staatsbürgerschaft seien derzeit in amerikanischen Uniformen in Afghanistan und im Irak im Einsatz. Es gebe allerdings keine Statistik darüber, wie viele Deutsche dort kämpften, so Militärsprecherin Oberstleutnant Ellen Krenke. Ausländer würden genauso behandelt wie alle anderen US-Soldaten, betont Ritzau. 70 Ausländer in US-Uniform haben nach Angaben des Pentagons bisher ihr Leben in den jüngsten Kriegen und Unruhen verloren. Deutsche seien bisher nicht gefallen.

Ritzau war 1999 mit seinem Vater und seinem Bruder in die USA gekommen, wo sein Vater eine Amerikanerin heiratete. Alle drei bekamen dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen in Form der "Green Card", doch die amerikanische Staatsbürgerschaft haben sie noch nicht. Für den 23-Jährigen dürfte sich das nun ändern: "Wenn man mit dem Militär in den Krieg geht, kann man automatisch die Staatsbürgerschaft kriegen", sagt er.

Bereits im August 2001 hatte er sich von der Nationalgarde anwerben lassen - einen Monat vor den Terroranschlägen des 11. September und weit vor den Kriegen in Afghanistan und im Irak. "Ich wusste schon Bescheid, dass ich eventuell in den Krieg gehen müsste", sagt Ritzau. Doch wirklich ernsthaft hat er nicht damit gerechnet. Am Anfang war alles sehr einfach gewesen, zuweilen Training am Wochenende, einmal eine zweiwöchige Übung im Sommer.

Seit Dezember 2004 weiß Ritzau, dass seine Infanterie-Einheit in den Irak muss. Grundsätzlich findet er den Krieg richtig: "Seitdem wir im Irak sind, haben sich viele Dinge zum Guten gewendet (...) Ich bin stolz, dass wir mit dieser Flagge in das Land reingehen", betont der Nationalgardist. Gegen seine Angst hilft das allerdings wenig: "Wenn ich nachts im Bett liege, träume ich vom Krieg."

Philipp Heinz/DPA / DPA