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US-Wahl: "Jenseits der Grenze von Inkompetenz"

Ex-Vizepräsident Al Gore hat US-Präsident George Bush vorgeworfen, mit seiner Rücksichtslosigkeit die Sicherheit Amerikas zu gefährden. An Bord der Air Force One hat Bush unterdessen seine Angriffe auf John Kerry verschärft.

Bei seiner letzten Rede vor den US-Wahlen am 2. November hat der frühere US-Vizepräsident Al Gore US-Präsident George W. Bush vorgeworfen, die amerikanische Öffentlichkeit absichtlich über die wahren Gründe des Irak-Kriegs getäuscht zu haben. Bush sei so in seiner Ideologie gefangen, dass er seine Fehler nicht zugebe und auch nicht aus ihnen lerne, sagte Gore in einer Rede an der Georgetown-Universität in Washington am Montag: "Das ist jenseits der Grenze von Inkompetenz. Das ist Rücksichtslosigkeit, die die Sicherheit des amerikanischen Volkes aufs Spiel setzt." Der demokratische Politiker Gore war bei der Wahl vor vier Jahren Bush ganz knapp unterlegen. Ausschlag gebend war dabei das lange umstrittene Ergebnis in Florida.

"Krieg von Anfang an geplant"

Die Untersuchungen der 9/11-Kommission hätten deutlich gezeigt, dass der Krieg von Anfang an geplant gewesen sei. Die Regierung habe bewusst eine Verbindung zwischen El Kaida und dem Irak vorgetäuscht. Bush verbiete Meinungsverschiedenheiten und ignoriere Warnungen, die nicht mit seinen Annahmen über den Irak, Steuererleichterungen und anderen Themenfeldern übereinstimmten. Die Republikaner wiesen die Vorwürfe zurück. "Jedes Mal wenn er spricht, offenbart Gore genauso wie Kerry, dass er überhaupt nicht versteht, was notwendig ist, um das Heimatland zu schützen und den Krieg gegen den Terror zu gewinnen."

Amtsinhaber Bush hat unterdessen seinen Wahlkampf mit neuen Angriffen auf seinen Herausforderer John Kerry intensiviert. An Bord der Präsidentenmaschine Air Force One gab er am Montagabend sein erstes Interview seit seinen drei Fernsehdebatten mit dem demokratischen Kandidaten. Im Mittelpunkt stand dabei abermals die Irak-Politik des Präsidenten.

Er könne sich nicht vorstellen, dass die US-Truppen so lange im Irak bleiben würden wie in Europa oder Südkorea nach dem Zweiten Weltkrieg, sagte Bush. Die Iraker hätten bereits klar gemacht, dass sie ihre Belange sobald wie möglich selbst in die Hand nehmen wollten. Sollten bei den geplanten freien Wahlen im Irak islamische Fundamentalisten gewinnen, wäre er sehr enttäuscht, sagte Bush weiter. "Aber Demokratie ist Demokratie."

"Mein Gegner hat dagegen gestimmt"

Auf Fragen zu Berichten, wonach der frühere US-Truppenkommandeur General Ricardo Sanchez schon vor einem Jahr vor logistischen Problemen im Irak gewarnt hat, antwortete der Präsident, dass die Regierung auf alle Notwendigkeiten immer schnell reagiert habe. So habe der Kongress im vergangenen November 87 Milliarden Dollar für den Irak-Einsatz bewilligt. "Und mein Gegner hat dagegen gestimmt", betonte Bush mit Blick auf Kerry.

Der Präsident erklärte in dem Interview weiter, er verfolge gegenüber dem Iran und Nordkorea eine Strategie mit dem Ziel, eine Militäraktion beider Staaten unwahrscheinlicher zu machen. Ferner sei er gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht, selbst wenn es wegen Nordkoreas oder des Irans zu einer Krise kommen sollte. "Ich glaube, wir haben die notwendige Ausrüstung und das Personal, um uns auch mit einem anderen Schauplatz befassen zu können, sollte ein solcher auftauchen", erklärte Bush.

DPA/AP / AP / DPA