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USA: Platznot in der Zelle

Die Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren geradezu verdreifacht: In den USA haben im vergangenen Jahr 6,47 Millionen Menschen im Gefängnis gesessen - neuer Rekordstand.

In den USA haben im vergangenen Jahr 6,47 Millionen Menschen im Gefängnis gesessen, eine Bewährungsstrafe verbüßt oder waren unter Auflagen aus der Haft entlassen worden. Die Zahl der vom US-Justizvollzugssystem erfassten Personen erreichte damit erneut einen Rekordstand. In den vergangenen 20 Jahren hat sich diese Zahl verdreifacht, resümierte das dem Washingtoner Justizministerium angegliederte Amt für Rechtsstatistik am Sonntag.

In Gefängnissen saßen den Angaben zufolge 30 Prozent der Betroffenen, das waren 1.933.503 Personen. Bewährungsstrafen hatten 59 Prozent oder 3.839.532 Personen zu verbüßen, 725.527 waren auf Hafturlaub oder bedingt aus der Haft entlassen worden. Die jährliche »Wachstumsrate« verlangsamte sich von 1999 auf 2000 von vier auf zwei Prozent. Chefstatistiker Allen Beck leitete daraus die Prognose ab, dass der Trend zu immer mehr Menschen im Justizvollzug wegen des Rückgangs der Verbrechensrate in den 90ern gebrochen worden sein könnte.

Bürgerrechtler wie Kara Gotsch vom American Civil Liberties Union?s National Prison Project forderten angesichts der erneuten Zunahme Alternativen zu Haftstrafen. Vor allem auf dem Gebiet der Vorbeugung müsse mehr getan werden, sagte

sie. Beck wies darauf hin, dass die Zahl der erneut zu Haftstrafen verurteilten Personen in den vergangenen Jahren stabil geblieben sei. Gotsch sagte daszu: »Es ist kein Wunder, dass sie wieder mit dem Gesetz in Konflikt kommen, weil wir ihnen nichts anderes beibringen.« Das US-Justizsystem sei kurzsichtig.

Die US-Staaten mit den meisten Häftlingen waren Georgia mit 6,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und Texas mit fünf Prozent. Die wenigsten Häftlinge meldeten West Virginia, New Hampshire und North Dakota mit jeweils 0,9 Prozent der Erwachsenen.

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