HOME

Vatikan kritisiert: Williamson-Erklärung ist unzureichend

Dem Vatikan ist die Erklärung des Pius-Bruders und Holocaust-Leugners Richard Williamson zu vage. Williamson hatte sich zuvor für seine Äußerungen über die Zahl der getöteten Juden entschuldigt. In Deutschland sorgen dagegen missverständliche Äußerungen eines anderen Bischofs für Wirbel.

Der Vatikan hat die jüngste Erklärung des Holocaust-Leugners Richard Williamson als vage und unzureichend zurückgewiesen. "So, wie es aussieht, erfüllt (der Brief) nicht die Bedingungen, die das vatikanische Staatssekretariat gestellt hat", erklärte Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi am Freitag in Rom. Außerdem sei das Schreiben des britischen Traditionalisten weder an Papst Benedikt XVI. noch an die zuständige Päpstliche Kommission Ecclesia Dei gerichtet gewesen. Die mit den Traditionalisten befasste Kommission soll das Schreiben an eine Agentur weitergeleitet haben. Der Vatikan hatte von Williamson vor Wochen einen "absolut unmissverständlichen und öffentlichen Widerruf"seiner Holocaust-Leugnung verlangt.

Der Geistliche der Pius-Bruderschaft hatte am Donnerstag laut der katholischen Nachrichtenagentur Zenit erklärt: "Ich entschuldige mich vor Gott bei allen Seelen, die sich ehrlich über das empört haben, was ich gesagt habe." Williamson hatte im Januar im schwedischen Fernsehen erklärt, dass in den Konzentrationslagern des NS-Regimes kein einziger Jude vergast worden sei.

Außerdem sagte er, es seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 getötet worden. Die Äußerungen machten Schlagzeilen, weil Papst Benedikt XVI. kurz darauf die Exkommunikation Williamsons und dreier weiterer Bischöfe der fundamentalistischen Pius-Bruderschaft aufgehoben hatte. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wurde dafür weltweit kritisiert. Der Papst forderte Williamson schließlich auf, seine Äußerungen zurückzunehmen.

"Deutschland könne Haftbefehl ausstellen

Unterdessen ist die Justiz Williamson auf den Fersen. Deutschland könnte einen Europäischen Haftbefehl gegen ihn ausstellen, nachdem der Katholik am Mittwoch nach Großbritannien zurückkehrte. Dies wäre als Folge des laufenden Ermittlungsverfahrens gegen Williamson möglich, erklärte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries am Freitag.

"Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt, weil das Interview, in dem er den Holocaust geleugnet hat und das im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, in Deutschland aufgezeichnet wurde", sagte die Justizministerin. "Grundsätzlich fällt das Delikt unter die Regelung des europäischen Haftbefehls. Das heißt, Deutschland könnte einen solchen Haftbefehl ausstellen, ja."

In Deutschland sorgt ein anderer Fall für Wirbel: Das Bistum Augsburg hat einen Bericht über eine angebliche Holocaust-Relativierung durch Bischof Walter Mixa zurückgewiesen. Mixa habe sich im Gegenteil beim politischen Aschermittwoch der CSU in Dinkelsbühl in scharfer Form von Williamson distanziert sowie den Mord an über sechs Millionen Juden als entsetzliches und singuläres Verbrechen bezeichnet, hieß es am Freitag in einer Stellungnahme des Bistums. Einem Bericht der "Fränkischen Landeszeitung" zufolge hatte Mixa die Zahl der ermordeten Juden in einen Zusammenhang mit den nach Expertenschätzungen mehr als neun Millionen Abtreibungen in den vergangenen Jahrzehnten gestellt.

AP/DPA / AP / DPA