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Was mich bewegt: Qual der Wahl am Kap

Zum ersten Mal dürfen die "Born Frees" in Südafrika nächste Woche wählen. Klingt toll - tatsächlich bedeutet das aber kaum etwas. Die Hälfte der Stimmen ist dem korrupten Staatspräsidenten sicher.

Von Marc Goergen

Südafrika, das lässt einen nicht mehr los. Ich erinnere mich an Abende mit Freunden, Menschen vom Kap genauso wie Zugezogene, die alle auf ihre Art dazu beitragen wollten, dass Südafrika ein Land werden möge, in dem Menschen aller Hautfarben ein Zuhause haben. Immer wieder spürte man das Gefühl, Teil eines historischen Experiments zu sein. Für mich war das Adrenalin pur. In einigen Tagen wählt Südafrika seinen Präsidenten. Es ist eine symbolisch aufgeladene Wahl, 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid.

Zum ersten Mal können die "Born Frees" abstimmen, jene jungen Männer und Frauen, die in Freiheit geboren wurden. Praktisch allerdings bedeutet das – fast nichts. Während die Menschen darum kämpfen, die Ideale des Staats auszufüllen, leeren die Politiker dessen Schatullen. Dieser Tage geht es, wieder einmal, um Staatspräsident Jacob Zuma, der sich mit Millionen Steuergeldern sein Privathaus hat aufhübschen lassen. Doch mindestens 50 Prozent der Stimmen sind ihm und dem ANC sicher, auch weil die Opposition ein so lächerliches Bild abgibt.

Da ist die von Weißen geprägte "Democratic Alliance". Die versuchte sich wählertaktisch eine schwarze Spitzenkandidatin aufzupropfen. Und da ist ein Julius Malema, dessen Hang zu protzigen Uhren selbst dem ANC zu viel wurde und der jetzt vorgibt, wie Che Guevara die Armen befreien zu wollen. Wann bekommen die Menschen dieses wunderbaren Landes endlich die Politiker, die sie verdienen?

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