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Westerwelle in den USA: Guido "Who" macht sich in Washington einen Namen

Er genießt es, das ist ihm sofort anzusehen: Guido Westerwelle ist zu seinem Antrittsbesuch nach Washington gereist. Auf dem Plan standen Themen wie Afghanistan, die Atom-Frage und auch Opel. Beim Treffen mit seiner Amtskollegin machte ihm Hillary Clinton zumindest modisch eine Freude.

Es war gewiss ein Zufall. Aber US-Außenministerin Hillary Clinton kam zum ersten Treffen mit dem neuen deutschen Kollegen tatsächlich im schwarz-gelben Hosenanzug. Eine gute Stunde nahmen sich die beiden am Donnerstag in Washington Zeit für einander. Und dem ersten Eindruck nach könnte die Beziehung funktionieren.

Jedenfalls zeigte sich Clinton im kleinen "Treaty Room" des US-Außenministeriums, wo auch schon wichtige Verträge unterzeichnet wurden, ziemlich freundlich im Umgang mit dem jüngeren Kollegen. Nun ist bei einer solch erfahrenen Frau schwer zu erkennen, was davon professionelle Höflichkeit ist und was von Herzen kommt. Aber einmal sprach sie Westerwelle sogar mit dem Vornamen an: ein schnelles Guido, auch wenn es kaum zu verstehen war.

Guido Who?

Westerwelle verzichtete auf eine Entgegnung. Die Zurückhaltung ist vielleicht gut am Platz. Der neue Außenminister von der FDP ist in den USA noch ein ziemlicher "No Name": Guido Who? Gerade im Vergleich zu Kanzlerin Angela Merkel, die diese Woche im Kongress mit allen Ehren empfangen wurde, fällt er ab. Aber auch Karl-Theodor zu Guttenberg kennt man hier besser. Das US-Magazin "Time" lobte den neuen Verteidigungsminister soeben als "bekannte Größe".

Und fügte böserweise auch noch hinzu: "Im Unterschied zu Westerwelle, der ein klobiges Englisch spricht und den außerhalb von Deutschland kaum jemand kennt." So schlimm ist es dann aber auch wieder nicht: Der FDP-Chef pflegt schon seit Jahren Kontakte in die USA. Bereits 1984 war er in San Francisco bei einem Parteitag der Demokraten dabei. Später hat er auch bei den Republikanern zugeschaut. Darüber hinaus gehört Westerwelle zu den regelmäßigen Teilnehmern der Münchner Sicherheitskonferenz.

Afghanistan, die Atom-Frage und Opel

Dort kam es vor drei Jahren auch zur ersten Begegnung mit Hillary Clinton. Vor einigen Tagen hatten die beiden neuen Kollegen zum ersten Mal miteinander telefoniert. Die Themen für das erste persönliche Gespräch waren dann - bis auf zwei Ausnahmen - die üblichen: die Lage in den aktuellen Krisenherden von Nahost über den Iran bis Afghanistan.

Clinton lobte ausdrücklich den Einsatz der derzeit etwa 4200 deutschen Soldaten am Hindukusch. Mit der Bitte um noch mehr Bundeswehr-Soldaten hält man sich in Washington schon seit einer Weile zurück - wohl wissend, dass das in Deutschland kaum durchsetzbar wäre. Stattdessen soll Berlin mehr für den Aufbau von Polizei und Zivilverwaltung tun.

Von den beiden neuen Themen war eines von deutscher Seite gewollt, das andere nicht. Zum einen drängt Westerwelle darauf, dass die USA ihre letzten Atom-Sprengköpfe aus Deutschland abziehen, die noch im Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz lagern. International gehört das aber nicht zu den allerwichtigsten Fragen. Außerdem versichert auch der FDP-Chef stets, dass ein Abzug nur in "engster Abstimmung" mit den Bündnispartnern möglich sei.

Zweites neues Thema war der geplatzte Verkauf von Opel durch die Konzernmutter General Motors - immerhin ein Unternehmen, das sich mehrheitlich in Besitz des amerikanischen Staates befindet. Westerwelle bekam von Clinton aber die Versicherung, dass die Entscheidung der GM-Führung "ohne jeden politischen Einfluss" der US-Regierung erfolgt sei. Angeblich wurden die Leute in Washington selbst davon überrascht. Die US-Außenministerin selbst äußerte sich zu dem Thema in der Öffentlichkeit nicht.

Christoph Sator/DPA / DPA