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WESTJORDANLAND: Israel verschärft Ausgangssperre

Nach den jüngsten Anschlägen radikaler Palästinenser hat Israel die Ausgangssperren in fünf Städten im Westjordanland verschärft. Die Friedensgespräche zwischen beiden Parteien wurden ausgesetzt.

Nach den jüngsten Anschlägen radikaler Palästinenser hat Israel die Ausgangssperren in fünf Städten im Westjordanland verschärft. »Wegen der jüngsten Anschlagswelle ist beschlossen worden, die palästinensische Bewegungsfreiheit in den Gebieten von Dschenin, Nablus, Tulkarm, Kalkilja und Ramallah völlig einzuschränken, mit der Ausnahme von medizischen und humanitären Fällen«, teilte die israelische Armee mit. In der Nacht erschoss ein radikaler Palästinenser nach Militärberichten ein israelisches Siedlerpaar. Die Armee rückte Augenzeugen zufolge in Burka im Westjordanland ein. Dabei wurden nach Angaben aus Krankenhauskreisen zwei Palästinenser getötet.

Hamas übte Vergeltung für Tod ihres obersten Militärführers

Israels Armee hatte nach einer Serie von Selbstmordattentaten sieben der größten Städte im Westjordanland besetzt. Vor neuen Anschlägen am Wochenende hatte sie begonnen, die Ausgangssperren und anderen Maßnahmen zu lockern, die etwa 700.000 Palästinenser betreffen. Am Sonntag hatte ein Attentäter der radikal-islamischen Palästinenser-Organisation Hamas einen Bus in die Luft gesprengt. Die Gruppe sprach von Vergeltung für die Tötung ihres obersten Militärführers bei einem israelischen Luftangriff. Seit dem Beginn des Palästinenser-Aufstandes gegen die israelische Besatzung im September 2000 sind mindestens 1481 Palästinenser und 585 Israelis ums Leben gekommen.

Siedlerfamilie beschossen

Der Armee zufolge eröffnete ein Palästinenser in der Nacht zum Montag das Feuer auf das Auto einer Siedlerfamilie, die Richtung Ramallah im Westjordanland unterwegs gewesen sei. Die Eltern wurden getötet, ihre beiden Kinder im Alter von drei Jahren und sechs Monaten überlebten verletzt. In Burka suchte die israelische Armee Augenzeugen zufolge nach Extremisten. Bei einem Gefecht seien zwei Palästinenser getötet worden, einer von ihnen ein von Israel gesuchter Extremist, verlautete aus Krankenhauskreisen.

Israel setzt Gespräche mit Palästinensern aus

Israels Regierung setzte nach den Anschlägen am Wochenende die geplanten Sicherheitsgespräche mit den Palästinensern aus. Regierungssprecher Raanan Gissin sagte am Sonntag: »Worüber sollen wir mit einer Palästinenser-Führung sprechen, die terroristische Aktivität unterstützt?« Bei den geplanten Treffen sollte es unter anderem um eine Verbesserung der Bedingungen für die Zivilbevölkerung in den Palästinenser-Städte gehen. Nach den Anschlägen sei dies jedoch zunächst kein Thema mehr, sagte Gissin.

Annan ruft zum Ende der Gewalt auf

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UNO) Kofi Annan rief beide Seiten auf, den Kreis von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen. Die palästinensischen Extremisten setzten »wahllos Terror ein«, während die Vergeltungsschläge Israels »genauso zerstörerisch in ihrer Auswirkungen auf die allgemeine Bevölkerung« seien, erklärte er am UNO-Hauptquartier in New York. »Muss denn, mal wieder, erläutert werden, dass diese Angriffe auf Zivilisten unmoralisch und illegal sowie politisch widersinnig sind?«