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"Die Welt verstehen" - stern-Reporter erklären Muss man Angst vor Politik-Irrlicht Donald Trump haben?


In den USA mischt der Milliardär Donald Trump die Partei der Republikaner auf - mit erstaunlichem Erfolg. Kann er US-Präsident werden?

Bevor es um Donald Trump geht, den US-Milliardär und Politikaufmischer, lockt ein kleines Gedankenspiel: Man stelle sich vor, in Deutschland wäre bald Bundestagswahl und 20 - ja, in Worten: zwanzig - Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um diesen Job. Nicht ihre Partei, die Bewerber selbst entscheiden, ob sie sich zur Wahl stellen.

Ganz links, zum Beispiel, startet Sara Wagenknecht. Ganz rechts Bernd Lucke. Doris Schröder-Köpf möchte gern als Kandidatin der Mitte in die Fußstapfen ihres Ex-Mannes Gerhard treten.

In allen Parteien wäre die Hölle los. Ganz besonders kracht es in der Union. Für CDU und CSU wollen mehr als ein Dutzend Bewerber ins Rennen gehen. Natürlich ist die schlaue Ursula von der Leyen dabei, der geschmeidige Volker Kauder, der krachlederne Markus Söder. Volker Bouffier überlegt noch. Eine bunte Mischung. Christlich, sozial, konservativ und ein bisschen langweilig.

Aber dann wirft auf einmal ein Unternehmer und Multimillionär seinen Hut in den Ring. Er will für die Union ran. Nennen wir ihn Hans Trump. Der Mann ist eine Mischung aus Dirk Rossmann und Wendelin Wiedeking. Er ist stinkreich und platzt vor Selbstbewusstsein. Anfangs nennen ihn manche Leitartikler einen "Clown", aber das ändert sich nach den ersten Auftritten..

Lösungsversprechen für große Probleme

Dieser deutsche Trump gibt TV-Interviews im Dutzend. Die Einschaltquoten sind gewaltig. Zu seinen Kundgebungen im ganzen Land pilgern Tausende. In Umfragen führt er. Er redet viel Unsinn, er beleidigt seine Gegner, aber eins macht er geschickt: Er spricht über Probleme, die andere Kandidaten umschiffen. Zum Beispiel Einwanderung, Kriminalität, Armut, Ungleichheit. Und er sagt, er habe einfache Lösungen für große Probleme.

Gegen illegale Einwanderer will er an  der Grenze eine Mauer bauen lassen. Den Terrormördern des IS will er die Ölquellen wegbomben. Allen Arbeitslosen verspricht er gute Jobs. Er sagt: "Schaut mich an, ich bin Hans Trump. Ich bin wirklich reich. Ich brauch’ kein Geld von Sponsoren. Ich bin nicht käuflich. Ich werde besser regieren als alle anderen. Ich löse eure Probleme."

Übrigens, das Geld für den Wahlkampf muss jeder Kandidat selbst auftreiben. Hans Trump würde ein wenig von seinem Reichtum investieren. Die anderen müssten Spenden sammeln. Nicht ein Steuereuro würde fließen.

Er braucht keine Berater

Man stelle sich nur vor, wie bei Günther Jauch oder Frank Plasberg die Fetzen fliegen. Oder erst in der "heute-Show". Alle Kandidaten müssten über ihre Ideen sprechen, eigene Vorschläge machen, sich festlegen. Kein Thema wäre tabu. Kein Gedanke zu irrwitzig. Vielleicht wäre es der Auftakt zu einer großartigen Debatte.

Hans Trump jedenfalls sammelt Punkte. Er sagt: "Ich brauche keine Berater, ich verabscheue politische Strippenzieher und Lobbyisten." Sein Publikum klatscht.

Vor allem die Unionskandidaten sind aufgescheucht. Denn dieser Hans Trump zerlegt gerade ihre heile Welt. Aber auch Linksaußen Wagenknecht und Mainstreamlady Schröder-Köpf werden nervös. Nun hoffen alle darauf, dass Hans Trump bald einen Fehler macht, übers Ziel hinaus schießt und sich selbst versenkt.

Spüren Sie den Sog dieses Gedankenspiels? Dann fühlen Sie sich gerade ein wenig so wie viele Amerikaner. Der politische Auswahlprozess in den USA ist extrem transparent.

Erster Showdown in zwei Wochen

Und nun zum echten Donald Trump. Im Republikanerlager führt er bei Umfragen mit 24 Prozent. Über ein Dutzend andere Bewerber sind ihm mehr oder weniger auf den Fersen. Darunter Jeb Bush, der jüngere Bruder des Ex-Präsidenten George W. Bush und Scott Walker, Gouverneur aus Wisconsin.

In zwei Wochen, am 6. August, kommt es zum ersten Showdown. Dann treten die zehn Republikaner-Kandidaten mit den besten Umfragewerten in einer TV-Debatte gegeneinander an. Trump ist sicher dabei.

Ob er es bis in die Endrunde schafft? Ob er gegen die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, antreten wird?

Das Rennen ist noch lang und offen.

Anfang 2016 beginnen die Vorwahlen in einzelnen Bundesstaaten. Erst dann wird entschieden, wer am Ende in das Rennen ums Weiße Haus starten kann.

Im Juli 2016 küren Republikaner und Demokraten auf ihren Nominierungsparteitagen dann jene zwei Kandidaten, die sich um den Job im Weißen Haus bewerben.

Danach beginnt die richtig heiße Phase im Kampf um die US-Präsidentschaft.

Ob Donald Trump dabei sein wird? Die meisten Politikexperten in Washington sagen: "Er hat keine Chance."


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