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Wortschöpfung im US-Wahlkampf Obama diagnostiziert seinem Rivalen "Romnesie"


"Romnesia" - diese Form von Gedächtnisverlust attestiert US-Präsident Barack Obama seinem Rivalen Mitt Romney. Im Internet stößt die kreative Wortschöpfung bereits auf große Begeisterung.

US-Präsident Barack Obama hat seinem Rivalen Mitt Romney politischen Wankelmut vorgeworfen und mit "Romnesie" ein neues Schlagwort in den US-Wahlkampf eingeführt. Sein Widersacher müsse an einer Krankheit namens "Romnesia" leiden, durch die er seine früheren politischen Aussagen vergesse, scherzte Obama am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Fairfax (Virginia) vor 9000 Anhängern.

Von seinen konservativen Positionen im Vorwahlkampf sei der Republikaner inzwischen auf eine moderate Linie abgedriftet. "Er hat vergessen, was seine eigenen Standpunkte sind, und er setzt darauf, dass Sie das auch tun", rief er. "Wir müssen einen Namen finden für den Zustand, den er durchmacht. Ich glaube, er wird 'Romnesie' genannt", sagte Obama und brachte seine Anhänger zum Jubeln.

Obama zählte mehrere Themen auf, bei denen Romney in den vergangenen Wochen angeblich seine Meinung geändert habe. "Wenn Du einen Fall von "Romnesia" hast, kannst Du anscheinend nicht einmal die Vorschläge erinnern, die immer noch auf Deiner Internetseite stehen", sagte der Amtsinhaber. Als weiteres Beispiel nannte Obama die Steuerpolitik. "Wer zuvor in diesem Jahr gesagt hat, er werde die Steuern für die oberen ein Prozent (der Bevölkerung) kürzen, und dann in einer Debatte sagt 'Ich weiß nichts von Steuererleichterungen für die Reichen', der braucht ein Thermometer und muss Fieber messen, denn er hat wahrscheinlich 'Romnesie'." Zum Glück sei es aber eine "kurierbare Krankheit" - man müsse am 6. November nur Obama wählen.

Das englische Wort "Romnesia" - gebildet aus "Romney" und "amnesia" (deutsch: "Amnesie") - wurde im Laufe des Tages schnell zu einem der häufigsten Schlagworte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Es war zuvor bereits stellenweise in Zeitungskommentaren, auf Facebook und Pro-Obama-Blogs aufgetaucht. Gegner Romney findet das gar nicht lustig und versucht bei Twitter den Gegenschlag. Ob der Ausdruck "Obamnesia" sich bei den potentiellen Wählern genauso durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die gleiche Einprägsamkeit hat er sicher nicht.

Obama hat den Namen seines Rivalen schon in der Vergangenheit verballhornt. Unter Anlehnung an den englischen Volkshelden Robin Hood nannte er ihn "Romney Hood", der allerdings den Armen das Geld nehme, um es den Reichen zu geben. Wegen des starken Schutzes der Meinungsfreiheit in den USA haben Beleidigungsklagen von Personen des öffentlichen Lebens kaum Aussicht auf Erfolg.

roh/Reuters/DPA DPA Reuters

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