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"Profiling" an Flughäfen Entschuldigung - sind Sie Terrorist?


Angesichts der Terrorgefahr in Deutschland wird darüber nachgedacht, Passagiere in Risikogruppen zu teilen und entsprechend zu kontrollieren. Eine Schnapsidee?
Von Manuela Pfohl

Hamburger Flughafen. Die Abfertigungshalle ist rammelvoll. Am Sicherheitscheck stehen lange Schlangen. Kameras scannen jeden Einzelnen und bleiben an einem Typen mit irgendwie suspektem Blick hängen. Dann die Aufforderung, laut und unmissverständlich: "Reihen Sie sich bitte in die Kontrolle am Risiko-Check ein, legen Sie sämtliche Kleidung ab und nehmen die Hände über den Kopf." Die anderen Passagiere atmen erleichtert durch. Der Kerl wird kein Flugzeug in die Luft sprengen. Die Profiler haben ihn sofort als verdächtig erkannt und isoliert.

Wahn oder Wirklichkeit?

Ginge es nach dem Präsidenten des Deutschen Flughafenverbandes (ADV), würden Passagiere tatsächlich schon bald in Risikogruppen unterteilt und mittels eines sogenannten Profilings unterschiedlich scharf kontrolliert. "Auf diese Weise können die Kontrollsysteme zum Wohle aller Beteiligten effektiver eingesetzt werden", sagte Christoph Blume der "Rheinischen Post". Ein Vorschlag, der umgehend für einigen Wirbel sorgte und von einem Regierungsvertreter gegenüber stern.de kopfschüttelnd als "offenbar nachträglicher Weihnachtskoller" bezeichnet wurde.

"Ein Erfolgsmodell made in Israel"

Auch die offiziellen Stellungnahmen sind eher skeptisch. "Wir sind gut aufgestellt an den Flughäfen", sagt beispielsweise ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Es werde nahezu ständig überprüft, wie die Kontrollen verbessert werden könnten. An den Flughäfen seien sehr gute Beamte eingesetzt. "Wir sind nicht blind."

Allerdings hat das Ganze einen realen Hintergrund. Blume, der, auch Chef des Düsseldorfer Flughafens ist, verweist bei seinem Vorschlag auf die Praxis in Israel und den dortigen "risikobasierten Ansatz". Sichere Kunden, über die ausreichend Daten vorlägen und die regelmäßig ähnliche Strecken flögen, würden dort weniger aufwändig kontrolliert als Passagiere, über die keine oder nur wenige Daten bekannt seien. Ein Erfolgsmodell, weshalb man durchaus auch in Deutschland darüber nachdenken könne. Netter Nebeneffekt aus Blumes Sicht: Jede Menge Zeitersparnis für die "unverdächtigen" Passagiere.

Wie erkennt man einen Terroristen?

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt das "Profiling" trotzdem rundweg ab. GdP-Chef Bernhard Witthaut kommentiert es fast schon philosophisch mit: "Lieber eine halbe Stunde in der Warteschlange als ein Leben lang tot." Er fordert stattdessen, die Fluggastkontrollen zu verstaatlichen. "Es ist ein Widerspruch, das sogenannte Profiling und damit rein polizeiliche Fähigkeiten einzufordern und andererseits die Fluggastkontrollen oft gering bezahlten Kräften privater Firmen zu überlassen."

Tatsächlich gebe es beim Profiling auch ganz praktische Probleme, meint der Regierungsvertreter: "Wie, bitteschön, wollen Sie denn den Terroristen erkennen? An seinem langen Bart und dem Sprengstoffgürtel, den er umgeschnallt hat?" Die bisherige Erfahrung zeige, dass die typischen Rasterfahndungs-Muster kaum tauglich waren beim Erkennen von Terroristen oder potentiellen Gefährdern.

Gdp-Chef Witthaut sieht das genau so: "Potenzielle Attentäter nur aus bestimmten Herkunftsländern mit bestimmten äußerlichen Merkmalen zu vermuten, könnte sich spätestens dann als gefährlicher Irrtum erweisen, wenn eine Person einen Anschlag verübt, die nicht in das Raster gepasst hat. Terroristen schlafen nicht."

"Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot"

Skepsis, die der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), teilt, wenn auch aus einem anderen Grund. In Bezug auf das Herausfischen von Passagieren mittels Profiling meint er : "Das ist wie die Hausdurchsuchung, die vom Nachbarn beobachtet wird und bei der der Nachbar denkt: Ohne Grund werden die da schon keine Hausdurchsuchung machen." Es bestehe die Gefahr der Diskriminierung. "Jeder Passagier wird fragen: Wie kommen Sie dazu, mich anders zu behandeln als andere Passagiere?" Der CDU-Politiker zweifelt überdies daran, dass eine solche Methode bei so vielen Passagieren wie in Deutschland praxistauglich ist. Allein in Frankfurt am Main gebe es 40 Millionen Fluggäste pro Jahr.

Dass das Profiling in Deutschland auch rein rechtlich nicht machbar wäre, meint die Linke. "Eine unterschiedliche Kontrolle von Flugpassagieren nach Risikogruppen verstößt gegen das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes. Zudem leistet es rassistischen und moslemfeindlichen Vorurteilen Vorschub", kritisiert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion im Bundestag, Ulla Jelpke.

mit DPA/DAPD dapd

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