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Abgeordneter hilft Kollegen: Sicher Surfen mit Jimmy Schulz

Jimmy Schulz kennt sich mit der Verschlüsselung digitaler Nachrichten aus. Das macht den FDP-Abgeordneten bei seinen Kollegen im Bundestag gerade sehr beliebt.

Mit dieser Fialka wurden von 1965 bis 1987 im Ostblock Nachrichten chiffriert, heute geht das alles digital

Mit dieser Fialka wurden von 1965 bis 1987 im Ostblock Nachrichten chiffriert, heute geht das alles digital

Jimmy Schulz ist dieser Tage ein gefragter Mann. Denn der FDP-Bundestagsabgeordnete ist Experte auf einem eher speziellen Fachgebiet: der Kryptographie, also der Wissenschaft über das Verschlüsseln von Nachrichten. Der 44-Jährige verschlüsselt seine E-Mails schon seit Jahren, bereits 1999 schrieb er seine Diplomarbeit zum Thema. Seit bekannt wurde, wie umfangreich Geheimdienste offenbar die Kommunikation von Bürgern sammeln, speichern und auswerten, interessieren sich mehr Menschen dafür.

Abgeordneten-Kollegen gibt er inzwischen häufiger Tipps zum sicheren Surfen und E-Mailen. "Ich werde sehr oft angerufen und danach gefragt." Sichere Alternativen gibt es genug, auch von deutschen Anbietern. Schulz überlegt jetzt sogar, eine "Cryptoparty" im Bundestag zu organisieren. Eigentlich ist das ein Hackertreffen, bei dem Verschlüsselungskenner Laien erklären, wie die entsprechenden Programme funktionieren.

"Die Menge der Leute, mit denen ich mit verschlüsselten Mails kommuniziere, ist in den letzten zehn Jahren komplett gleich geblieben", sagt Schulz. "Da ist vielleicht einmal im Jahr einer dazu gekommen. Allein in den letzten 48 Stunden waren es fünf, sechs neue Kontakte." Schulz sieht darin "ein komplett neues Bewusstsein" für Privatsphäre im Netz.

Verschlüsselung für jedermann

Verschlüsselungsprogramme sind inzwischen einfacher zugänglich als vor 15 Jahren. Damals erließen die USA ein Exportverbot für die Technologie, erzählt Schulz. Um die Beschränkungen zu umgehen, mussten Programmcodes aus dem Land gefaxt werden - dann galten sie als gedrucktes Werk, nicht als Digital-Gut.

Das Exportverbot wurde schließlich aufgehoben. Auch die Programme sind inzwischen einfacher zu bedienen. "Ein klein wenig muss man schon verstehen", gibt der Netzpolitiker zu. "Aber ich glaube, jeder der mit einer Textverarbeitung umgehen kann, meistert auch die Hürde der Verschlüsselung." Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik solle sich einsetzen, Verschlüsselungssoftware für alle nutzbar zu machen.

Denn neben Staat und Unternehmen hätten auch die Bürger Verantwortung für ihre Sicherheit im Netz, sagt der FDP-ler, der seit 2009 im Bundestag sitzt. Da helfe Verschlüsselung direkt. "Das kann man sofort machen, ohne auf die wahrscheinlich schwierigen diplomatischen Verhandlungen zu warten", bei denen Details der Programme geklärt werden sollen.

vim/DPA / DPA
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