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Ausstattung der Bundeswehr: Schöner Wohnen mit von der Leyen

Wohlfühl-Faktor: Verteidigungsministerin von der Leyen will triste Kasernenstuben mit Minibars und Flatscreens aufrüsten - und kassiert reichlich politische Kritik. Doch was halten die Soldaten davon?

Von Oliver Fuchs

Zu einem der "attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands" soll die Bundeswehr werden. Das hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Anfang des Jahres vorgegeben. Schließlich kann sich die Armee seit Abschaffung der Wehrpflicht nicht mehr darauf verlassen, dass genügend junge Menschen in den Tarnfleck schlüpfen. Die Bundeswehr braucht Nachwuchs - und zwar insbesondere kluge Köpfe, also Abiturienten.

Die sogenannte "Attraktivitätsoffensive", die es richten soll, umfasst 30 Punkte. Eigentlich wollte die Ministerin erst am kommenden Mittwoch auf einer Pressekonferenz über das Konzept von "Aktiv. Attraktiv. Anders." sprechen. Doch Teile des Plans sickerten durch. Deshalb ging von der Leyen in die Offensive und gewährte schon am Freitag inhaltlich Einblick. Seitdem steht sie in der Kritik - denn ihr Konzept sieht auch eine Art "Schöner Wohnen" für Kasernen vor: Die Stuben sollen mit neuen Möbeln ("hell, modern, wohnlich"), Kühlschranken und Flachbildfernsehern aufgerüstet werden.

"Keine Ahnung vom Militär"

Sehr barsch meldete sich der Ex-Generalinspektor der Bundeswehr, Harald Kujat, zu Wort. Der General kanzelte von der Leyen im Magazin "Focus" ab: "Da sind echte Laien am Werk. Von der Leyen hat ganz offensichtlich keine Ahnung vom Militär." Die Verteidigungsministerin erwecke auf in den Eindruck einer " guten Hausfrau, die ihre Kinder versorgt.“ Sie solle sich besser um die Dinge kümmern, die wirklich wichtig seien, zum Beispiel die Ausstattung der Soldaten im Einsatz.

Auch die Kommentatoren von Artikeln über von der Leyens Pläne scheinen Mühe damit zu haben, Gemütlichkeit und Soldatentum gedanklich miteinander zu verbinden. "Soldaten, die mit einfachen Unterkünften zurechtkommen, würden auch eher mit solchen Gegnern fertigwerden als Soldaten, die sich durch Schminkspiegel auf den Stuben zum Dienst motivieren lassen müssen", schreibt ein Leser des Blogs "Augen geradeaus" des Fachjournalisten Thomas Wiegold. Ein zweiter meint: "Diejenigen, die wegen eines Flachbildschirm auf einer Gemeinschaftsbude 'zur Fahne eilen', wären zu Zeiten der Wehrpflicht wegen Geisteskrankheit ausgemustert worden."

Am liebsten ein MacBook

Nur eine Gruppe nimmt das Ganze relativ gelassen: die Soldaten selber. Diese Stimmung spiegelt sich zumindest auf Bundeswehrforum.de. "Raif" beispielsweise findet, der ganze Wirbel sei typisch für die Effekthascherei der Medien. Das Maßnahmen-Packet werde nur auf die Flatscreens reduziert, "weil damit der Mob was anfangen kann". Ein User mit der Bezeichnung "Army strong" findet es ebenfalls eine gute Idee Unterkünfte aufzuwerten. Allerdings müsse auch etwas gegen den chronischen Platzmangel in den Kasernen getan werden. "swobby" hingegen kann auf TV in der Kaserne verzichten. Er verbringt die Zeit lieber gemeinsam mit seinen Kameraden. Und "Rollo83" gefällt, dass 3000 neue Laptops fürs mobile Arbeiten angeschafft werden sollen. Allerdings will er jetzt beantragen, dass er ein MacBook bekommt, mit Windows komme er nicht klar.

Längst überfällig

Für den Deutschen Bundeswehrverband, der die Interessen der Soldaten gegenüber der Politik vertritt, wird es höchste Zeit, dass die Kasernen etwas aufgehübscht werden. Immer wieder seien Modernisierungsmaßnahmen dem Sparzwang oder der Bürokratie zum Opfer gefallen. Für André Wüstner, den Vorsitzenden des Verbandes, ist klar: "Unterkünfte mit 6-Personen-Zimmern und jeweils zwei Steckdosen sowie ohne Internet oder Waschsäle mit defekten Duschen sind schon lange nicht mehr zeitgemäß. Diese völlig normalen Standards hätten schon vor Jahren geschaffen werden müssen."