Babyleichen-Prozess "Sie war eine gute Mutter"


Die wegen achtfachen Totschlags angeklagte Mutter der toten Babys von Brieskow-Finkenherd in Brandenburg soll eine sehr "liebevolle Mutter" gewesen sein. Das jedenfalls behauptet die Schwester der Angeklagten.

Die 56-jährige Schwester der Angeklagten sagte am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt (Oder): "Sie war eine gute Mutter, hat mit ihren Kindern gebastelt und Schularbeiten gemacht." Über Probleme habe die 40-Jährige nicht sprechen wollen. Vor 10 bis 15 Jahren habe sie ihre Schwester auf eine mögliche Schwangerschaft angesprochen, da sie so weite Kleider getragen habe. "Sie sagte nein."

Der Mutter von vier lebenden Kinder wird vorgeworfen, zwischen 1992 und 1998 acht Kinder heimlich zur Welt gebracht und diese unversorgt gelassen zu haben, bis sie starben. Ein Fall gilt als verjährt.

"Sie hat sich niemandem anvertraut."

Über ihren Alkoholkonsum wollte sie mit der Familie nicht sprechen, sagte die Schwester weiter. "Sie hat sich niemandem anvertraut." Sie habe immer alles abgestritten: "Es ist alles in Ordnung." Eine andere Schwester der Angeklagten machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Die Angeklagte soll häufiger schwanger gewesen sein als bisher bekannt. Eine andere Zeugin berichtete von einem Gespräch mit dem damaligen Lebensgefährten der Frau. Darin habe der Mann die Geburt eines Kindes für den Oktober 2005 angekündigt. Bereits im August wurde die 40-Jährige aber festgenommen. Die 21-jährige Zeugin sagte, sie habe zudem die Vermutung gehabt, dass die Angeklagte auch im Sommer 2004 schwanger gewesen sein könnte. Sie habe trotz des heißen Wetters lange Garderobe getragen, diese aber von einem auf den anderen Tag abgelegt. Bekannt war bislang nur, dass die Frau 2003 die Tochter eines anderen Mannes zur Welt brachte. Das Mädchen lebt bei Verwandten.

Babys in Gefäßen vergraben

Der Anklage zufolge vergrub die Angeklagte die toten Babys in Gefäßen und stellte sie auf den Balkon. Nach einer Zwangsräumung brachte sie die Behälter, darunter ein Aquarium und Farbeimer, auf das Grundstück ihrer Eltern nach Brieskow-Finkenheerd. Dort wurden die skelettierten Leichen von neun Babys im Sommer 2005 bei Aufräumarbeiten entdeckt. Polizeibeamte suchten auch an anderen Orten nach sterblichen Überresten von Kindern.

Ein Neffe der Angeklagten schilderte im Zeugenstand, wie er die toten Kinder fand. Beim Ausschütten der Gefäße seien Knochen zum Vorschein gekommen, sagte der 28-Jährige. Auch er stellte die Angeklagte als eine liebevolle Mutter dar, die sich immer um ihre Kinder gekümmert habe.

Der Prozess wird morgen mit der Befragung von Zeugen fortgesetzt.

DPA DPA

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