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Banken: Helaba fällt im EBA-Stresstest durch

Europas Bankenaufseher machen den deutschen Landesbanken mal wieder das Leben schwer. Beschlüsse zur Stärkung der Kapitalbasis bei Helaba und NordLB werden ignoriert, weil ein Stichtag nicht eingehalten wird. Kritiker der Londoner Behörde dürften sich bestätigt sehen.

Der laufende europäische Bankenstresstest wird für die deutschen Landesbanken ungemütlicher als erhofft. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ist bei dem Test aus formalen Gründen durchgefallen, ähnlich könnte es laut Medienberichten bei der NordLB aussehen. Die Ergebnisse der europäischen Bankenaufsicht EBA werden am Donnerstag oder Freitag erwartet.

Ursache für die schlechtere Bewertung der beiden Landesbanken sind nach Informationen aus Finanzkreisen nicht neue Kapitallöcher, sondern Formalitäten: Die EBA erkennt nach neuesten Vorgaben Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals nur an, wenn diese bis zum Stichtag 30. September 2011 vollzogen worden sind. Sowohl bei der Helaba als auch bei der NordLB wird die bereits beschlossene Kapitalstärkung der Träger erst zum Jahresende wirksam. Über dieses Problem berichteten auch die "Financial Times Deutschland" und die "Hannoversche Allgemeine Zeitung".

Der Helaba wird die EBA eine Kapitallücke von rund 1,5 Milliarden Euro attestieren, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch von mit den Zahlen vertrauten Personen erfuhr. Die längst beschlossene Umwandlung einer Stillen Einlage des Landes Hessen in Höhe von 1,92 Milliarden Euro in hartes Kernkapital wird erst zum Jahresende wirksam. Damit wäre die Lücke geschlossen und die Helaba hätte einen ausreichenden Kapitalpuffer für Krisenzeiten.

Helaba fiel aus formalen Gründen durch

Die Kapitallücke bei der NordLB dürfte nach Informationen von "FTD" und "HAZ" auf 2,4 Milliarden bis 2,5 Milliarden Euro anschwellen. Die Bank in Hannover wollte hierzu keine Stellungnahme abgeben. Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) zeigte wenig Verständnis für die formale Regelung der EBA: "Wir haben alles getan, was zu tun ist. Aber wir brauchen auch die nötige Zeit."

In dem Stresstest ermitteln die Aufseher derzeit, wie groß die Kapitallücke der europäischen Institute bei einer Bewertung der gehaltenen Staatsanleihen zu Marktpreisen ist. Die Banken müssen bis Ende Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen. Den letzten großen Stresstest im Sommer hatte die NordLB nur knapp bestanden, die Helaba ließ die EBA aus formalen Gründen durchfallen.

In Finanzkreisen hatte es zuletzt geheißen, die deutschen Institute müssten sich insgesamt auf eine Kapitallücke von rund zehn Milliarden Euro einstellen, es könne aber auch noch etwas mehr werden. Mit der Helaba sind es nun sechs deutsche Banken, denen die EBA größere Kapitallücken bescheinigen dürfte. Das größte Loch von fünf Milliarden Euro wird bei der Commerzbank erwartet. Der Deutschen Bank fehlen nach früheren Angaben aus Kreisen drei Milliarden Euro, der DZ Bank 350 Millionen Euro. Bei den Landesbanken muss auch die LBBW mit einer Kapitallücke rechnen.

kave/DPA / DPA