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Mutmaßlicher Terroranschlag: Warum das Attentat von Berlin ungewöhnlich für den IS ist

Die Anzeichen auf einen islamistischen Terroranschlag in Berlin verdichten sich weiter. Am Mittwoch läuft die Fahndung nach einem neuen Verdächtigten. Das Attentat unterscheidet sich allerdings von den meisten früheren IS-Anschlägen.

Der Weihnachtsmarkt in Berlin nach dem Attentat

Der Weihnachtsmarkt in Berlin nach dem Attentat

Die Hintergründe des Attentats auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin mit zwölf Toten sind noch nicht geklärt. Vieles deutet aber auf einen islamistischen Terroranschlag hin: Die Vorgehensweise erinnert stark an das Lkw-Attentat von Nizza. Der sogenannte Islamische Staat, dem der Nizza-Anschlag zugerechnet wird, rief bereits mehrfach zu Anschlägen nach genau diesem Schema auf. Nach dem Fiasko um den kurz nach der Tat festgenommenen Verdächtigen fahndet die Polizei am Mittwoch zudem Berichten zufolge nach einem Islamisten, dessen Ausweispapiere im Fahrerhaus des Lkw gefunden worden sein sollen. Demnach soll es sich um einen polizeibekannten Tunesier handeln, der als Gefährder eingestuft werde.

Am späten Dienstagabend gab es zudem ein Bekennerschreiben über das IS-Sprachrohr Amaq. Ein "Soldat des Islamischen Staates" sei den "Aufrufen zum Angriff auf Angehörige der Koalitionsstaaten" gefolgt. Die Tat trägt also die Handschrift des IS und die Terrormiliz beansprucht sie für sich.

Ungewöhnlich für IS-Attentat: Täter floh unerkannt

Ungewöhnlich für einen Terroranschlag des IS ist an dem Berliner Attentat aber vor allem eines: Der Täter floh unerkannt. Ein zentrales Element der meisten IS-Attentate ist der vermeintliche Märtyrertod des oder der Terroristen. Der Vorwand, das eigene Leben im Dienste eines "höheren Auftrags" geopfert zu haben. Wer nicht direkt beim Attentat getötet wird, stirbt oft im Kugelhagel der Polizei. Ein stilles Untertauchen nach der Tat ist zumindest außergewöhnlich. 

Zudem legen die meisten IS-Terroristen ganz offensichtlich darauf wert, dass ihre Motive publik werden. Überlebende von Anschlägen berichten meist von Drohungen und Ausrufen wie "Allahu Akbar". Oft rufen die Tätern ihren Opfern auch zu, warum diese meinen, sie umbringen zu müssen. Beim Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo riefen die Terroristen etwa, sie wollen "den Propheten rächen". Vom Tatort in Berlin berichtet kein Augenzeuge von dergleichen.

fin
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