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Berlin: Nobel-Kaufhäuser gewähren satten Diplomaten-Rabatt

Sie arbeiten beim Auswärtigen Amt? Prima. Dann bekommen Sie im Berliner Kaufhaus KaDeWe zehn Prozent Rabatt auf Mode, Elektronik- oder Beauty-Artikel. Transparency International ist empört.

Die mehr als 2000 Beschäftigten des Auswärtigen Amtes (AA) in Berlin bekommen bei Einkäufen in den beiden Nobel-Kaufhäusern KaDeWe und Galeries Lafayette zehn Prozent Rabatt. Ministeriumssprecher Martin Schäfer bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt". In einigen Abteilungen sind sogar noch höhere Preisnachlässe möglich.

Diese Rabatte gelten für den Großteil des KaDeWe-Sortiments, wie etwa Beauty-, Elektronik-, Mode- und Haushaltsartikel, aber auch Lebensmittel, Einrichtungsgegenstände oder Audioprodukte. Ausgenommen sind allerdings Dienstleistungen, zum Beispiel Friseurbesuche oder grundsätzlich auch Reisen.

Auswärtiges Amt weist Kritik zurück

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International fordert nun strengere Vorschriften, um jedem Eindruck von Bestechlichkeit entgegenzuwirken. "Wenn nach den Regeln der öffentlichen Verwaltung Lehrer in bestimmten Fällen keine Blumensträuße annehmen dürfen, dann sollten auch für Beamte des Auswärtigen Amtes ähnlich strenge Maßstäbe gelten", sagte Vorstandsmitglied Gisela Rüß der "Welt".

Das Auswärtige Amt wies solche Kritik zurück. "Die oben genannten Rabatte werden allen Beschäftigten des Auswärtigen Amtes ohne Ansehung der Funktion gewährt und sind deshalb nicht geeignet, das Verhalten bestimmter Funktionsträger zu beeinflussen", sagte der AA-Sprecher.

Die beiden Kaufhäuser bestätigten, dass es für deutsche und ausländische Diplomaten Vorzugsbedingungen gibt. Weltweit zählt das Auswärtige Amt etwa 6750 Beschäftigte. Davon sind etwa 2100 in der Zentrale am Werderschen Markt tätig.

be/DPA / DPA