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Bettina Wulffs Unterlassungsklage: Jauch lenkt ein - und verteidigt sich

Die Klage von Bettina Wulff zeigt Wirkung: Günther Jauch will den Streit mit der Ex-First-Lady beenden und akzeptiert den Anspruch auf Unterlassung. Ein Fehlverhalten sieht der Moderator aber nicht.

TV-Moderator Günther Jauch hat sich gegen Vorwürfe verteidigt, Ende 2011 in seiner Talksendung Gerüchte über das angebliche Vorleben von Ex-First-Lady Bettina Wulff verbreitet zu haben. Er wolle einen Anspruch auf Unterlassung aber anerkennen, um den Rechtsstreit zu beenden.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hatte Jauchs Anwalt nur wenige Stunden nach Zustellung der Klage Wulffs wegen "Unterlassung falscher Tatsachenbehauptungen" reagiert. Per E-Mail habe Jauchs Anwalt dem Anwalt der früheren First Lady mitgeteilt, dass sein Mandant den Unterlassungsanspruch anerkenne. Damit verpflichte sich Jauch, Gerüchte über ihre angeblichen Rotlicht-Vergangenheit nicht weiterzuverbreiten.

Offenbar hatte es ein monatelanges Gezerre um einen solchen Schritt gegeben. Laut "SZ" hatte Wulffs Anwalt Gernot Lehr Jauch bereits im Mai aufgefordert, eine sogenannte Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben - ohne Erfolg. Der Vorwurf: In seiner Talkshow am 18. Dezember 2011 habe der Moderator die Gerüchte thematisiert und dadurch "maßgeblich zur Verbreitung des frei erfundenen Gerüchts beigetragen, es gäbe eine Geschichte aus dem früheren Leben von Bettina Wulff", schreibt die "SZ".

Jauch sieht kein Fehlverhalten

Das will Jauch so offenbar nicht stehen lassen. "Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich aus einem Artikel der 'Berliner Zeitung' zitiert", sagte der TV-Moderator am Samstag in einer über seinen Anwalt Christian Schertz herausgegebenen Erklärung. "Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiert, liegt daneben", betonte Jauch.

Er habe aber kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Schertz erläuterte, er habe Wulffs Anwalt Gernot Lehr mitgeteilt, dass ein Anspruch auf Unterlassung aber anerkannt werde. "Ich habe, um die Sache zu beenden, Herrn Lehr geschrieben, dass wir den Anspruch anerkennen - ohne ein Fehlverhalten damit einzuräumen", betonte Schertz.

In den vergangenen Monaten hatten laut Lehr zahlreiche Verlage, Journalisten und Internet-Aktivisten Unterlassungserklärungen unverzüglich nach Aufforderung abgegeben, "ohne auch nur zu versuchen, die falschen Darstellungen zu rechtfertigen". Außerdem sei in einigen Fällen Schmerzensgeld durchgesetzt worden - laut "SZ" teilweise in fünfstelliger Höhe.

Offenbar um den Druck auf Jauch zu erhöhen, hatte Bettina Wulff dann am Freitag Klage beim Hamburger Landgericht eingereicht. Und die will sie aufrechterhalten. "Wir werden dazu beim Landgericht Hamburg ein Anerkenntnisurteil beantragen", zitiert die "SZ" Wulffs Anwalt Lehr.

Google wehrt sich gegen Wulffs Vorwürfe

Auch gegen den Internetkonzern Google geht Bettina Wulff juristisch vor. Mit der Klage gegen Google will Wulff der "SZ" zufolge verhindern, dass bei Eingabe ihres Namens automatisch Suchbegriffe wie "Rotlichtvergangenheit" oder "Escort" auftauchen.

Google zeigte sich von der Klage unbeeindruckt und wies die im Zusammenhang mit seiner sogenannten Autovervollständigungs-Funktion bei Suchanfragen am Samstag zurück. Google nehme keinen Einfluss auf die vorgeschlagenen Suchbegriffe, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck. "Die bei der Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider."

Die angezeigten Begriffe seien das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe. "Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor - sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben", betonte Oberbeck. Es sei keine Meinungsäußerung, sondern ein Spiegelbild bisheriger Suchanfragen. Google führte in Deutschland bereits fünf ähnliche Verfahren und habe alle gewonnen, eines davon bereits auch in zweiter Instanz. Man sei mit Wulffs Anwälten schon länger im Gespräch über angezeigte Suchergebnisse gewesen - Google löscht auf Aufforderung Inhalte aus seinem Zwischenspeicher. Vor der Klage zur Autovervollständigung habe es jedoch keinen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gegeben.

joe/DPA / DPA