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Brigitte Seebacher: Heli Ihlefeld war Brandts langjährige Geliebte

Es war Jahrzehnte lang ein intimes Geheimnis. Nun hat Willy Brandts Witwe Brigitte Seebacher in einer Biografie über den Ex-Kanzler den Schleier gelüftet. Brandts langjährige Bonner Geliebte war die "Stern"-Reporterin Heli Ihlefeld.

Es war jahrzehntelang ein intimes Geheimnis: Willy Brandts langjährige Bonner Geliebte. Nun hat Brandts Witwe Brigitte Seebacher in einer Biografie über den Ex-Kanzler den Schleier gelüftet. Die ominöse Journalistin war die frühere "Stern"-Reporterin Heli Ihlefeld. Die heute 68-Jährige bestätigte am Montag aus ihrem griechischen Domizil der dpa in Bonn, dass die intimen Seebacher-Angaben stimmten und von ihr auch "autorisiert" seien. "Ja, es ist richtig."

Brandt (1913-1992) habe Ihlefeld seit Mitte der 60er Jahre gekannt und gemocht, schreibt Seebacher nach einem Vorabdruck ihrer Brandt- Biografie im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Sie ist die Frau, die ich lange Jahre sehr gern gehabt habe", habe Brandt zu ihr später gesagt.

Ihlefeld gibt Anonymität auf

Ihlefeld hat darüber mit Brandts Witwe gesprochen und ihr die Angaben Brandts bestätigt, wie sie der dpa erläuterte. Die Veröffentlichung ihres Namens, mit der sie ihre bisherige Anonymität verliert, sei auch mit ihrer Einwilligung erfolgt. "Was ich Frau Seebacher gesagt habe, dazu stehe ich. Damit will ich es auch bewenden lassen. Die Sache ist ja 30 Jahre her."

Brandt war als Kanzler im Mai 1974 über die Guillaume-Affäre gestürzt. Dabei wurde auch über sein Privatleben und besonders über seine "Frauengeschichten" in der Öffentlichkeit spekuliert. Die bundesdeutschen Sicherheitsbehörden befürchteten damals, dass nach der Enttarnung des Brandt-Referenten Günter Guillaume als DDR-Agent Brandt wegen seiner amourösen Leidenschaften erpressbar sein könnte.

Guillaume soll ihm angeblich diskret auch immer wieder Frauen "zugeführt" haben, was Seebacher allerdings mit Worten Brandts ("lächerlich") verneint. Damals habe der Chef des Bundeskriminalamtes, Horst Herold, die "Zuführung der Mädchen" an drei Fällen illustriert - einer "Stern"-Redakteurin, einer Jugoslawin und einer Schwedin. Brandt selbst verurteilte später den komplottartigen "Blick durchs Schlüsselloch" durch "Sicherheitsintriganten".

Separate Räumlichkeiten in der Dienstvilla

Dass Brandt während seiner langjährigen Ehe mit Rut auch anderen Versuchungen erlegen war, wurde hinter vorgehaltener Hand in der Bonner Politik- und Medienszene erzählt und später auch von Rut und ihm selbst ("Ich bin kein Säulenheiliger") indirekt bestätigt. Weggefährten erinnern sich, er habe in seiner Dienstvilla auf dem Bonner Venusberg in seiner Kanzler-Zeit auch über separate Räumlichkeiten verfügt.

Mit seiner Frau Rut, einer gebürtigen Norwegerin, führte Brandt über Jahre offenkundig nur noch eine Scheinehe. Erst nach mehr als 30 Ehejahren und drei gemeinsamen Kindern ließen sie sich 1980 scheiden. Dann heiratete Brandt im Dezember 1983 seine frühere Mitarbeiterin und Redenschreiberin Seebacher. Mit seiner 33 Jahre jüngeren dritten Ehefrau war der Friedensnobelpreisträger dann bis zu seinem Tod am 8. Oktober 1992 zusammen.

Heimliche Verabredungen mit der attraktiven Reporterin

Ihlefeld war als Journalistin damals bei den Bonner Politgrößen bekannt. Im "Spiegel" ist ein Foto abgedruckt, das Brandt als Regierungschef (1969-1974) beim Tanz mit der attraktiven jungen "Stern"-Reporterin auf dem Bonner Presseball zeigt. Beide lächeln aneinander an. Offenbar wussten nur wenige Vertraute Brandts von den heimlichen Verabredungen. Lange Zeit war auch das Gerücht im Umlauf, dass es sich bei der heimlichen Geliebten um die Journalistin Wiebke Bruhns (65) handeln könnte.

Ihlefeld leitete nach ihrer Reportertätigkeit auch die Presseabteilung des Bundespostministeriums und kümmerte sich danach um die Gleichstellung im Telekom-Konzern. Heute gibt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern als "Business-Coach" persönliche Beratungs- Seminare auf der griechischen Insel Naxos.

"Etwas von der Beschädigung nehmen"

Ihre Internet-Homepage zeigt das Bild einer reifen, selbstbewussten Frau mit inzwischen weißen Haaren. Der "Spiegel" zitiert sie als Begründung für ihr spätes Bekenntnis mit den Worten: "Ich möchte helfen, dem Bild eines so gradlinigen und wunderbaren Menschen etwas von der Beschädigung zu nehmen, die es durch die Ereignisse und deren Deutung bekommen hat."

Edgar Bauer/DPA / DPA
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