Bundesamt für Strahlenschutz Atommüll-Lager Asse soll geräumt werden


Es ist das größte strahlende Problem Deutschlands: das marode Atomendlager Asse. Nun steht die Empfehlung des Bundesamtes für Strahlenschutz an, was aus dem Atommüll werden soll. Nach einem Medienbericht sollen die 126.000 Fässer aus der einsturzgefährdeten Grube herausgeholt werden.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt laut einem Medienbericht, den gesamten Atommüll aus der einsturzgefährdeten Schachtanlage Asse herauszuholen. Anschließend sollen demnach die rund 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll im Schacht Konrad, einem stillgelegten Eisenerz-Bergwerk in Salzgitter, endgelagert werden. Das geht aus dem mit Spannung erwarteten Gutachten des BfS hervor, das am Freitag bekanntgegeben werden soll und das dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vorliegt.

Die Rückholung des Atommülls stelle "die einzige sicher umsetzbare" Alternative dar, heißt es laut dem Bericht in der 225-seitigen Expertise. Die Behörde rate der Politik zu größter Eile, angesichts des "prekären Zustands der Grube" Asse. Mit den Arbeiten solle "schnellstmöglich" begonnen werden. Die Behörde rechnet mit einem Zeitaufwand von etwa zehn Jahren.

Drei Stilllegungsoptionen verglichen

Das BfS hatte drei Stilllegungsoptionen verglichen. Neben der Ausräumung der Grube standen das Umlagern der Müllfässer in tiefere Schichten sowie das Einbetonieren des Atommülls mit anschließendem Fluten des Bergwerks zur Debatte. Über die Kosten der Aktion schweige sich das BfS aus, heißt es in dem Zeitungsbericht. In einem Gutachten des Essener Ingenieur- und Consultingunternehmens DMT und des Tüv Nord werden sie mit über zweieinhalb Milliarden Euro beziffert - bei einem Zeitbedarf von nur knapp acht Jahren.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan räumte am Donnerstag vor dem Asse-Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags Versäumnisse beim Betrieb des Atommülllagers ein. "Nach heutigem Stand von Wissenschaft und Technik ist klar, dass man ein bereits ausgebeutetes Salzbergwerk nicht zur Einlagerung von Atommüll nutzen kann", sagte die CDU-Politikerin in Hannover. Eine eigene Verantwortung für Fehler sah sie allerdings nicht. In der Asse sei 30 Jahre lang geforscht worden. Danach habe sich aber gezeigt, dass "ein Forschungsinstitut nicht die Kernkompetenz für die Stilllegung einer Atomanlage hat", sagte Schavan mit Blick auf den früheren Asse-Betreiber Helmholtz-Zentrum.

Spätestens mit dem Ende der Endlagerforschungen in der Asse im Jahr 1995 "hätte die Verantwortung in die Hände von Experten für den Rückbau gelegt werden müssen", sagte sie rückblickend. Zudem lasse sich allein durch Endlagerforschung die Einlagerung von insgesamt 126.000 Atommüllfässern in der Asse in den Jahren 1967 bis 1978 nicht erklären. "Die Forschung wäre mit weniger ausgekommen", betonte Schavan. In den damaligen Genehmigungen habe es keine Obergrenze gegeben, und man habe die Möglichkeiten zur Einlagerung extensiv genutzt.

Schavan weist Verantwortung von sich

Eine eigene Verantwortung für die Versäumnisse in der Asse wies Schavan von sich. Das Bundesforschungsministerium sei zwar der Zuwendungsgeber und der größte Gesellschafter des Helmholtz-Zentrums, habe aber nie die Fach- oder Rechtsaufsicht über die Forschungseinrichtung gehabt. "Es gibt in Deutschland die Souveränität der Forschungsorganisationen", hob sie die Unabhängigkeit des Asse-Betreibers hervor. BfS-Präsident Wolfram König will am Freitag in Hannover erste Ergebnisse eines Vergleichs von drei Optionen zur Stilllegung der Asse vorstellen. Das Bundesamt prüft derzeit eine Vollverfüllung, eine Umlagerung des Atommülls oder dessen Rückholung an die Erdoberfläche als Möglichkeiten zur Schließung des Lagers. Bei der sogenannten Vollverfüllung ist eine Flutung des unteren Teils der Grube vorgesehen.

APN APN

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