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Bundesminister a.D.: Werner Dollinger ist tot

Er diente als Minister unter Adenauer, Erhard, Kiesinger und Kohl: Werner Dollinger, CSU-Mann aus Neustadt an der Aisch. Erst mit 71 Jahren schied er auf eigenen Wunsch aus dem Bundestag aus. Nun ist Dollinger im Alter von 89 Jahren gestorben.

Der ehemalige Bundespostminister Werner Dollinger ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Wie die CSU Mittelfranken mitteilte, starb Dollinger nach langer Krankheit zuhause im fränkischen Neustadt an der Aisch. Dollinger gehörte unter vier CDU-Bundeskanzlern als Minister der Bundesregierung an und war ab 1953 ununterbrochen 37 Jahre lang Mitglied des Bundestages. Erst 1990 schied er als einer der dienstältesten Abgeordneten aus eigenem Wunsch aus dem Parlament aus.

Unter Bundeskanzler Konrad Adenauer war Dollinger ab 1962 Bundesschatzminister. In seine Amtszeit fiel die von ihm befürwortete Teilprivatisierung des staatseigenen Energiekonzerns VEBA. Im Kabinett von Kanzler Ludwig Erhard übernahm Dollinger 1966 für wenige Wochen das Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Anschließend war der CSU-Politiker bis 1969 unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger Minister für das Post- und Fernmeldewesen und verhandelte mit der DDR-Post um den Kostenausgleich im innerdeutschen Postverkehr. Von 1982 bis 1987 gehörte Dollinger schließlich als Verkehrsminister der Bundesregierung unter Helmut Kohl an und war unter anderem an der die Entscheidung für den Weiterbau des umstrittenen Rhein-Main-Donau-Kanals beteiligt.

Gründungsmitglied der CSU

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Dollinger sich ab 1945 als Gründungsmitglied am Aufbau der CSU in seinem Heimatort Neustadt an der Aisch beteiligt. Von 1963 bis 1989 war er stellvertretender CSU-Vorsitzender. Der bayerische Innenminister und CSU-Bezirksvorstand Joachim Herrmann sagte: "Sein Wirken hat die CSU in unserer Heimat und darüber hinaus über Jahrzehnte hinweg geprägt. Wir werden sein Wissen, seinen Ratschlag aber besonders den Menschen Dr. Werner Dollinger sehr vermissen."

Neben seiner politischen Arbeit engagierte sich der promovierte Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmer und gläubige Christ vor allem in Wirtschaftsverbänden sowie in der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland. Dollinger war verheiratet und hatte drei Kinder. Er wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sein Wahlkreis-Nachfolger, der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt, sagte: "Dr. Werner Dollinger zählt zu den Pionieren der Demokratie in der jungen Bundesrepublik Deutschland; bedeutende Entscheidungen, die unser Land bis heute prägen, sind unter seiner Regie entstanden."

AP / AP