CASTOR-TRANSPORT Der »Tag X«


Das Wendland im Ausnahmezustand: Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist der Castor-Transport auf dem Weg von La Hague nach Gorleben. Das Empfangskomitee: 15.000 Polizisten und 10.000 Atomkraftgegner.

Gut sieben Monate nach dem Castor-Transport vom Frühjahr rüsten sich Polizei und Atomkraftgegner im niedersächsischen Wendland für die nächste Auseinandersetzung. Mit dem Transport, der im französischen La Hague gestartet ist, kommen erstmals in einem Jahr zwei Fuhren mit Atommüll in das Zwischenlager Gorleben. Dort stehen auf den insgesamt 420 Stellplätzen bislang 14 Castor-Behälter. Jetzt sollen weitere sechs mit hochradioaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung hinzu kommen.

Polizei wie Atomkraftgegner haben ihre Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen. »Ich bin sehr sicher, dass wir zeigen werden, dass der Widerstand im Wendland ungebrochen ist«, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke. »Wir werden klar machen, dass es mit uns im Wendland eine Routine bei Castor-Transporten nicht geben kann«, versichert Wolfgang Eisenberg von der so genannten Bäuerlichen Notgemeinschaft. Die Gegenseite hört es und bleibt gelassen. »Wir sind guter Dinge, dass wir diesen Transport wie die vorherigen in das Zwischenlager bringen werden«, sagt Bundesgrenzschutz-Einsatzleiter Joachim Franklin.

Ungerührt reagieren die Verantwortlichen auch auf die Forderung von Atomkraftgegnern und Grünen, nach den Terroranschlägen in den USA den Transport aus Sicherheitsgründen abzusagen. »Die Castor-Transporte waren immer Reizobjekte in der Öffentlichkeit«, meint Polizei-Einsatzleiter Hans Reime. »Wir mussten immer damit rechnen, dass sie auch

mit Mitteln angegangen werden, die man in die terroristische Ecke stecken kann. Insofern waren wir auch bei den anderen Einsätzen auf so etwas vorbereitet.»

Polizei und Bundesgrenzschutz vermitteln demonstrativ den Eindruck, dass sie eigentlich für alles gerüstet sind, was sich die Castor-Gegner einfallen lassen könnten. 15.000 Beamte werden im Wendland zu Wasser, zu Land und in der Luft bereit stehen, um den Transport zu sichern. Reime macht deutlich, dass ihre Zahl ähnlich wie im Frühjahr notfalls noch um einige tausend aufgestockt werden kann.

»X-tausendmal quer«

Im vergangenen März hatten Atomkraftgegner mit Ankett-Aktionen an der Schiene zwischen Lüneburg und Dannenberg die Castor-Behälter einen Tag lang aufgehalten. Jetzt wollen sie sich mehr auf den sich anschließenden Straßentransport zwischen Dannenberg und Gorleben konzentrieren. Reime selbst hat sie auf diese Taktik gebracht, als er nach dem März-Transport einräumte, es hätte der Polizei erhebliche Probleme bereitet, wenn sich einige tausend Wendländer einfach auf die Straße gesetzt hätten. »Das hat vielen eingeleuchtet. Diese Idee haben wir dankbar aufgegriffen«, sagt der Sprecher der bundesweiten Anti-Atom-Kampagne »X-tausendmal quer«, Jochen Stay.

Doch er und seine Mitstreiter wissen, dass sie den Transport auch mit noch so viel Blockaden nicht verhindern können. Sie wollen mit ihren permanenten Nadelstichen etwas anderes erreichen: »Es geht darum, dass diese Transporte politisch nicht mehr durchsetzbar werden«, sagt Stay.


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