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Konzept von Generalsekretär Ziemiak: Nach verkorkstem Umgang mit Rezo-Video: CDU will sich im Internet nicht mehr "zerstören" lassen

Das Rezo-Video vor der Europawahl geriet zum Kommunikationsdesaster für die CDU. "Langsam, dialogunfähig, uneffektiv" habe sich seine Partei präsentiert, so Generalsekretär Paul Ziemiak. In Zukunft soll unter anderem ein "Krisenradar" den Christdemokraten den Weg durch die digitale Welt weisen.

CDU-Vorsitzende Angela Merkel 2001

2001 forderte die CDU unter ihrer Vorsitzenden Angela Merkel mit dem Motto "Chancen@Deutschland" eine bessere Nutzung des Internets in den Bereichen Bildung und Steuerrecht

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Nach der massiven Kritik am Umgang der CDU mit dem Video des Youtubers Rezo will Generalsekretär Paul Ziemiak laut einem Medienbericht die "Krisenkommunikation" der Partei verbessern. Ziemiak habe im Parteivorstand ein Konzept zur Veränderung der Arbeitsabläufe in der Parteizentrale vorgestellt, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Sie berief sich auf eine 54-seitige Präsentation des Politikers, die der Zeitung vorliege.

Ziemiak wolle ein "Krisenhandbuch" für die Mitarbeiter der CDU-Zentrale erstellen lassen. Ein "Krisenradar" solle eingerichtet werden, um rund um die Uhr zu "sehen, wenn sich etwas zusammenbraut".

CDU plant PR-Abteilung nach Vorbild eines Newsrooms

Außerdem ist demnach ein "Reporting" vorgesehen zu Themen, die im Netz diskutiert werden. Das Konzept sehe drei Stufen vor: "Beobachten, Vorbereiten, Eingreifen". Um schneller zu werden, solle laut Ziemiaks Entwurf bis Ende des Jahres die PR-Abteilung der Partei ähnlich eines Newsrooms in journalistischen Redaktionen organisiert werden. Rund zwölf Mitarbeiter seien dafür in der CDU-Zentrale eingeplant. Außerdem sollen die sogenannten Abnahmeschleifen reduziert werden. Derzeit müssen demnach bis zu 13 Stellen durchlaufen werden, ehe eine Kommunikation der Partei freigegeben werde.

Der Youtuber Rezo hatte kurz vor der Europawahl im Mai mit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" unter anderem die Klimapolitik der Partei kritisiert. Das millionenfach angeklickte Video hatte auch eine Debatte über die Rolle sozialer Medien bei der Meinungsbildung und den Umgang der Parteien damit ausgelöst. Der CDU war wegen ihrer Reaktion ein unbeholfener Umgang mit den sozialen Medien vorgeworfen worden. Unter anderem hatte die Partei eine angekündigte und nach eigenen Angaben bereits produzierte Video-Reaktion ihres Nachwuchspolitikers Philipp Amthor nicht veröffentlicht und durch eine elfseitige schriftliche Stellungnahme ersetzt.

Im Juni hatte die Partei bereits auf Twitter neue Mitarbeiter gesucht, "die sich mit diesem Internet auskennen". Versprochen wurde den neuen Kollegen, sich das Amthor-Video anschauen zu können. Gestaltet wurde die Personalwerbung mit der spielerischen Schriftart "Comic Sans", die im professionellen Bereich als verpönt gilt. Für den selbstironischen Umgang mit dem eigenen Image erhielt die Partei viel Zuspruch in den sozialen Netzwerken.

Laut "SZ" äußerte sich auch Ziemiak in seiner Präsentation kritisch zum Zustand der CDU. An einer Stelle heiße es etwa: "Deshalb waren wir: langsam, dialogunfähig, nicht zielgruppengerecht (= uneffektiv)."

wue / DPA
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