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Christian Klar: RAF-Terrorist macht "positive Entwicklung"

Ist Christian Klar ein unverbesserlicher Terrorist oder ein reuiger Langzeithäftling? Sein Anstaltsleiter Thomas Müller erkennt bei dem ehemaligen RAF-Terroristen eine positive Entwicklung. Klar beschäftige sich intensiv mit seinen Taten, sagte Müller zu stern.de.

Von Malte Arnsperger

Der ehemalige RAF-Terrorist Christan Klar beschäftigt sich nach Angaben seines Anstaltsleiters intensiv mit seinen Straftaten und hat in den vergangen Jahren eine positive Entwicklung durchgemacht. "Natürlich ist er jemand, der schlimme Straftaten begangen hat. Aber er arbeitet aktiv an der Erreichung des Vollzugszieles mit. Dieses ist erreicht, wenn jemand bei einer eventuellen Entlassung in der Gesellschaft integriert leben kann, ohne weitere Straftaten zu begehen", sagte Thomas Müller, Leiter der Justizvollzugsanstalt Bruchsal, im Gespräch mit stern.de.

Müller, seit 2000 Chef des Gefängnisses, wollte jedoch keine Empfehlung abgeben, ob Klar eine Begnadigung verdient hat. "Das Gnadenverfahren liegt in der ausschließlichen Kompetenz des Bundespräsidenten. Ihm sollte man die Entscheidung überlassen". Der Anstaltsleiter kritisierte jedoch die Kommentare einiger Politiker, die Horst Köhler eine Ablehnung des Gnadengesuches nahe gelegt hatten. "Ich finde es schon heftig, wie viele Leute sich dazu äußern, obwohl sie nicht dazu berufen sind."

Christian Klar war einer der Drahtzieher der "Offensive '77" - den Anschlägen der RAF im Jahr 1977, die den deutschen Staat in eine schwere Krise stürzten. Klar wurde wegen der Beteiligung an den Morden an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, an Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und an Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer zu lebenslanger Haft verurteilt und sitzt seit 24 Jahren im Gefängnis. Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte seine Mindesthaftstrafe auf 26 Jahre festgelegt. Diese Zeit läuft erst 2009 ab. Doch hat Klar um Ende der Amtszeit von Bundespräsident Johannes Rau im Jahr 2003 ein Gnadengesuch eingereicht.

Dessen Nachfolger Horst Köhler prüft derzeit das Gesuch, eine Entscheidung soll wohl in den nächsten Wochen verkündet werden. Die "Bild"-Zeitung hatte gemeldet, dass Köhler Klar demnächst besuchen wolle, um sich ein persönliches Bild des Häftlings zu machen. Das Präsidialamt hatte einen solchen Plan jedoch dementiert, und auch der Gefängnisleiter wiegelt ab: "Ich hatte keinen Kontakt zum Bundespräsidialamt. Ich weiß nichts über ein bevorstehendes Gespräch von Herrn Köhler mit Christian Klar", sagte Müller.

Angesichts des großen öffentlichen Interesses an einer eventuell bevorstehenden Freilassung Klars hatte der Sender RBB am Donnerstag ein Gespräch des Journalisten Günter Gaus mit dem Ex-Terroristen aus dem Jahr 2001 ausgestrahlt. In diesem Interview machte Klar einen sehr unsicheren, fast verwirrten Eindruck. Auch Anstaltsleiter Müller sieht Klars Zustand skeptisch. "Natürlich hat jemand, der über 20 Jahr eingesperrt war, Defizite, was die Lebenstüchtigkeit angeht. Aber wir bereiten ihn auf den Fall der Fälle vor." Zu diesem Zweck habe Klar Computerkurse belegt, jedoch keine Ausbildung absolviert, sagte Müller. Klar werde als ganz normaler Häftling behandelt und habe guten Kontakt zu seinen Mithäftlingen.