VG-Wort Pixel

Corona-Maßnahmen "Überflüssig" und "zu kurz gedacht": Heftige Kritik an Vorschlag zu längeren Weihnachtsferien

Sehen Sie im Video:


Schüler und Lehrer müssen sich nach den Herbstferien warm anziehen. Um Ansteckungen mit Corona in der Schule zu vermeiden, soll regelmäßig in relativ kurzen Abständen gelüftet werden. Bei sinkenden Temperaturen wird das zunehmend unangenehm. Lehrervertreter und Bildungspolitiker rufen deshalb zum Anziehen nach dem "Zwiebelprinzip" auf.   Für die kalten Monate werden jetzt Pullover, Schals und Decken zur Grundausstattung der Schülerinnen und Schüler gehören. Begeistert ist niemand davon, aber es wird wohl kein Weg daran vorbeiführen, wenn man alle 20 Minuten bei Minusgraden lüften muss.  Räume regelmäßig zu lüften, ist eine empfohlene Maßnahme im Kampf gegen die Ausbreitung von Sars-CoV-2. Es wird davon ausgegangen, dass man sich über kleinste Schwebeteilchen, sogenannte Aerosole, die sich über die Atemluft im Raum verteilen, anstecken kann.
Mehr
Gibt es dieses Jahr verlängerte Weihnachts- oder Winterferien? Genau das fordern zwei Unionspolitiker. Die Idee kommt bei den Ländern nicht gut an: Der Vorschlag sei "Unsinn" und schaffe mehr Problem als er löse.

Regelmäßiges Lüften im Unterricht ist im Sommer kein Problem – in der kalten Jahreszeit wird es jedoch schnell ungemütlich. Wie aber kann die Ansteckungsgefahr in den Klassenzimmern verringert werden, ohne dass Schüler und Lehrer in eisigen Räumen frieren? Zwei Unionspolitiker hatten dafür eine Idee: Man könnte die Winter- oder Weihnachtsferien verlängern.

"Wir sollten darüber nachdenken, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen", sagte der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß gegenüber der "Bild". Ziel müsse sein, bestmöglich durch die Pandemie zu kommen. Sein Fraktionskollege Stephan Pilsinger (CSU) sprach sich sogar für bis zu vier Wochen längere Weihnachtsferien mit entsprechender Kürzung der Oster- und Sommerferien aus. "Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund stehen", begründete er seinen Vorschlag.

Winterferien verlängern? "Ein wenig zu kurz gedacht"

Kritik kommt aus der eigenen Partei: "Angesichts der Verbreitungswege, die derzeit dominieren, befürchte ich, dass wir durch eine Verlängerung der Weihnachtsferien viel Unruhe stiften, aber letztlich keinen durchgreifenden Erfolg erringen", äußerte sich der stellvertretende Unionsfraktionschef Thorsten Frei bei RTL/ntv. Frei verwies auch auf die Zeitplanung der Eltern, die ihren beruflichen Verpflichtungen nachkommen müssten. 

Auch aus den verschiedenen Ländern kommt Kritik: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) teilte mit, sie sei skeptisch, ob der Vorschlag zur Ferienverlängerung eine geeignete Schutzmaßnahme darstelle. "Auch Ende Januar ist der Winter ja noch nicht vorbei, deshalb ist das ein wenig zu kurz gedacht." Mit einer solchen Maßnahme würde man außerdem eine ganze Reihe von neuen Probleme auslösen und die Schulen vor zusätzliche organisatorische Herausforderungen stellen.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Öffentliche Schulferiendebatten helfen jetzt niemandem und sind überflüssig wie ein Kropf". Gemeinsames Ziel von Bund und Ländern, Kindern, Jugendlichen, Familien sowie der Wirtschaft sei es, die Schulen für möglichst viele Schüler offen zu halten. Dies sollte im Regelbetrieb geschehen und falls notwendig, regional oder punktuell im Wechselbetrieb mit Präsenz- und Online-Unterricht.

Weltärztebund-Vorsitzender Montgomery: "Quatsch"

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef im Bundestag, Christian Dürr, ging noch einen Schritt weiter und bezeichnete den Vorschlag als Unsinn. Dürr sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Eine kurzfristige Verlängerung der Winterferien würde die Planung von Millionen Familien kaputtmachen. In diesem Jahr gab es genug Schulausfall. Die Kinder müssen die Inhalte nachholen und das dürfen wir nicht immer weiter nach hinten verschieben."

"So ein Quatsch", nannte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, die Idee der Ferienverlängerung im Deutschlandfunk. Damit verunsichere man nur Schüler, Eltern und Lehrer.

Eine Sprecherin der Präsidentin der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), sagte auf Anfrage, dass sich die Kultusministerkonferenz am Freitag ausführlich mit der Corona-Pandemie befassen werde. Gegenstand der Beratungen werde dann auch das Thema Winterferien sein.

les / <br/> DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker