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Schlag 12 - der Mittagkommentar aus Berlin: "Witzischkeit" hat ihre Grenzen, Herr Hallervorden

Schauspieler und Komiker Dieter Hallervorden nimmt seinen Wiener Filmpreis mit "heim ins Reich". Eine leider allzu flache Provokation.

Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Dieter "Didi" Hallervorden gewann am Wochenende den Österreichischen Filmpreis als "Beliebtester Schauspieler Kino/Film". Nach dem er die "Romy" in Empfang nahm, sagte er in seiner Dankesrede, er werde sie mit "heim ins Reich" nehmen.

Dieter "Didi" Hallervorden gewann am Wochenende den Österreichischen Filmpreis als "Beliebtester Schauspieler Kino/Film". Nach dem er die "Romy" in Empfang nahm, sagte er in seiner Dankesrede, er werde sie mit "heim ins Reich" nehmen.

Dieter ("Didi") Hallervorden hat zeitlebens viele Rollen bespielt, als Clown, als Komiker, als Schauspieler. Er konnte in seiner "Witzischkeit" schon immer schrecklich flach sein ("Palim, palim") - sonst hätte er es in diesem Land vermutlich auch nie zu dieser Popularität gebracht. Und er konnte auf ganz großartige Weise hintersinnig sein - das allerdings meist vor kleinerem Publikum.

Wahrscheinlich gehört es zur Tragödie dieses Mannes, dass er in seiner öffentlichen Wahrnehmung meist auf die intellektuelle Bescheidenheit seiner Sketche reduziert worden ist. Nach dem Motto: Wer so spielt, der ist bestimmt auch im wahren Leben so. Spät erst - zunächst mit "Sein letztes Rennen" und dann mit der Alzheimer-Komödie "Honig im Kopf" - wurde ihm von einem breiten Publikum attestiert, auch mal Nachdenklichkeit und Tiefgang produzieren zu können.

Humor in den Grenzen von 1938

Jetzt hat er gegen sein eigenes Image angekämpft, wieder mal. Bei der Entgegennahme des Filmpreises "Romy" am Wochenende in Wien, hat er die Festgesellschaft mit dem Spruch vor den Kopf gestoßen, er wolle den Preis mit "heim ins Reich" nehmen. Es ist, sozusagen, der Humor in den Grenzen von 1938. Vorgetragen von einem, für den das Polit-Kabarett nicht eben zur Paradedisziplin gehört. Entsprechend peinlich hüstelnd starrte das Auditorium auf die eigenen Zehenspitzen, ein Moment des Fremdschämens kam auf. Und Irritation. Weiß der da vorne nicht, was er da sagt?

Politisch korrekt war das Ganze nicht. Aber das hat Dieter Hallervorden in diesem Moment auch gar nicht erst von sich verlangt. Im Gegenteil. Mit der Verwendung des Nazi-Spruches, wollte der Berliner den Ösis so richtig einen mitgeben, weil seiner Ansicht nach deren Aufarbeitung der Nazi-Zeit doch ziemlich zu wünschen übrig lässt. Hallervorden hat das alles im Nachhinein umständlich in einem Interview erklären müssen - die Österreicher neigten ja gerne zu Vergesslichkeit, seien aber "mit wehenden Fahnen zu Nazi-Deutschland übergelaufen". Genau das aber ist nun sein Dilemma - schwarzer Humor funktioniert nur, wenn er als solcher auf Anhieb von allen zu erkennen ist.

Eine Ablehung wäre konsequenter gewesen

Nein, die Verleihung der "Romy" war keine gelungene Geschichtsstunde. Dieter Hallervorden hat, wenn er sie denn wirklich gesucht hat, eine Gelegenheit verpasst. Hätte er gegen den laxen Umgang der Österreicher mit ihrer Vergangenheit tatsächlich so energisch protestieren wollen, wie er es im Nachhinein suggerieren will, dann hätte er den Preis ablehnen müssen mit den Worten, er wolle die "Romy" schließlich nicht mit "heim ins Reich nehmen". Und er hätte sich erklären müssen - auf (und nicht hinter) der Bühne.

So aber wird er weiter kämpfen müssen - gegen das "Palim, Palim", das ihn auf ewig begleitet.

Axel Vornbäumen hört hier mit dem Kommentar auf und schildert lieber noch einen Real-Sketch aus Berlin. Türke zum Busfahrer: "Fährst Du Zoo?". Busfahrer: "Nein, Bus". Man kann dem Autor auf Twitter unter @avornbaeumen folgen.

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