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Dritte Schlichtungsrunde: Lektionen für die Stuttgart-21-Gegner

Die dritte Schlichtungsrunde zu Stuttgart 21 ist vorüber. Beide Seiten haben sich nicht angenähert, was auch an der Sprachlosigkeit der S21-Gegner lag. Bahn-Mann Kefer glänzte dagegen - und Heiner Geißler hatte wichtige Tipps parat.

Von Niels Kruse

Der dritte Schlichtungstag in Stuttgart ist zu Ende und er hat dreieinhalb Erkenntnisse gebracht: Erstens: Die Preise für den Regionalverkehr werden trotz der enormen Kosten für S21 auch in Zukunft nicht wesentlich steigen. Das verspricht die baden-württembergische Verkehrsministerin Tanja Gönner. Zweitens: Den viel diskutierten Begriff Magistrale sollte man nicht so wichtig nehmen, er ist lediglich ein EU-Wort für transeuropäische Strecken, um den Bahnverkehr besser verwalten und harmonisieren zu können. Drittens: In einigen Jahren werden Güterzüge so schnell sein wie heutige Personen-Hochgeschwindigkeitszüge, weshalb es unnötig ist, jetzt noch Güterzugtrassen zu bauen. Und dann: Alle Parteien sind sich einig darüber, dass die Fahrzeit zwischen Ulm und Stuttgart verkürzt werden soll. Aber wie genau - per geplantem Trassenneubau oder per Umbau anderer Stationen - das bleibt der große Streitpunkt.

Acht Stunden lang haben Gegner und Befürworter über das gigantische Projekt debattiert. Es ging vor allem um die Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm und deren Wirtschaftlichkeit. Wie sollte es anders sein, die Deutsche Bahn sagt: Wir haben alles anständig durchgerechnet, die Gegner sagen: Nein, die Strecke weist erhebliche Mängel auf.

Keine Bewegung zwischen den Fronten

Wie schon bei den beiden ersten Verhandlungstagen ist es Schlichter Heiner Geißler nicht gelungen, echte Bewegung in die verhärteten Fronten zu bringen. Was vor allem mit der Sprachlosigkeit der S21-Kritker zu tun hat. Allzu oft musste Geißler in deren Ausführungen hineingrätschen, weil sich die Dozenten in Fachchinesisch und unverständlichem Deutsch verloren haben. Auch die Weigerung der Gegner, Alternativen zur Neubaustrecke zu nennen, hat die Angelegenheit nicht wirklich vorangebracht. Das sei nicht ihr Job, so das Argument. Genau das sieht Geißler anders: "Es ist auch in ihrem Interesse, eine Alternative vorzustellen, damit die Leute ihre Position überhaupt verstehen", so der Schlichter mahnend.

Dass die Argumente der Bahn besser ankommen, hat vor allem mit Infrastrukturvorstand Volker Kefer zu tun, der mit großer Ruhe und in verständlichen Sätzen das komplexe Thema Trassenplanung erörtert. Mit dem für ihn schönen Nebeneffekt, die S21-Gegner dadurch ahnungslos aussehen zu lassen. Von dieser Art der Präsentation können einige, vor allem die Gegner lernen. Ihnen gibt Heiner Geißler im Laufe des Tages ein paar Tipps mit auf den Weg: "Sprechen Sie langsam. Erklären Sie Fachwörter und Abkürzungen. Benutzen Sie keine Hauptwörter. Lassen Sie sich nicht von Menschen irritieren, die den Kopf schütteln oder in der Nase bohren."

Fortsetzung der Geißler-Show im Stuttgarter Rathaus: Freitag kommender Woche.