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Erzbischof Zollitsch vor Presse: Zeit für Tebartz-van Elst läuft ab

Erzbischof Zollitsch ist ein höflicher Mann. Er forderte seinen Glaubensbruder Tebartz-van Elst nicht offen zum Rücktritt auf. Aber verklausuliert. Faktisch hat der Limburger nur noch eine Woche.

Von Lutz Kinkel

Hoher - und seltener - Besuch in der Berliner Bundespressekonferenz: Erzbischof Robert Zollitsch war gekommen, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Eigentlich wollte Zollitsch über Papst Franziskus sprechen, der innerhalb kürzester Zeit die ganze Welt in Staunen versetzt hat. Eigentlich wollte Zollitsch auch über die Politik in den kommenden vier Jahren sprechen, über Forderungen und Standpunkte der katholischen Kirche. Aber es kam, wie es kommen musste: Es ging fast ausschließlich um Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der Limburger Bischof hatte sich einen 31 Millionen Euro teuren Amtssitz bauen lassen, außerdem hat er einen Strafbefehl wegen eidesstattlicher Falschaussagen zu gewärtigen. Das ist, das bestätigte auch Zollitisch, ein bislang einmaliger Vorgang. Ist Tebartz-van Elst noch im Amt zu halten?

Robert Zollitsch ist ein freundlich wirkender Mann, er schmunzelt gern und weiß seine Worte diplomatisch zu wägen. Aber der Subtext seiner Äußerungen war eindeutig. Das Wort "Kollegialität" nahm Zollitsch bei der Debatte um Tebartz-van Elst nicht mehr in den Mund. Er sprach vielmehr von "großer Sorge", bezeichnete die Lage in Limburg als "sehr ernst", hoffte öffentlich auf "Selbstkritik" und "Einsicht" seines Glaubensbruders. Zollitsch verwies darauf, dass er kommende Woche, genauer gesagt: kommenden Donnerstag, 12 Uhr, eine Audienz beim Papst habe, mit dem er die Angelegenheit durchsprechen wolle. Diesem Treffen wolle er nicht vorgreifen. In Klartext übersetzt heißt das: Tebartz-van Elst hat noch sieben Tage Zeit, freiwillig auf sein Amt zu verzichten. Er ist isoliert. Die deutsche Bischofskonferenz stützt ihn nicht mehr. Dieser Einschätzung wurde im Nachgang der Pressekonferenz nicht widersprochen.

Badewanne für 15.000 Euro

Der Grund für die Abwendung der Bischofskonferenz liegt auf der Hand: Es geht nicht nur um das Fehlverhalten eines Einzelnen, dem Geldverschwendung, autoritärer Führungsstil und Lügen vorgeworfen werden. Der Limburger Skandal, der bereits zu einer Serie von Kirchenaustritten geführt hat, ist nicht mehr regional zu begrenzen. Er belastet längst die gesamte katholische Kirche in Deutschland. Das bestätigte Zollitsch, als er auf kritische Zuschriften verwies, die ihn zum Fall Tebartz-van Elst erreichten. Zugleich merkte er an, dass ein Bischof "für alle" da sein müsse. Tebartz-van Elst entspricht demnach auch nicht mehr der Jobbeschreibung der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Limburger Bischof hatte sich an diesem Donnerstag noch mit einem Interview in der "Bild" zu verteidigen versucht. Er sagte, man müsse auch die "Auflagen des Denkmalschutzes" bedenken, wenn es um die Kosten seines Bischofssitzes ginge. Niemand solle zu früh den Stab über ihn brechen. Zugleich wurden weitere Details des Baus bekannt: von der freistehenden Badewanne für 15.000 Euro über einen Konferenztisch für 25.000 Euro bis zum 100.000 Euro teuren Einbau eines Fensters in der Privatkapelle. Außerdem gab die zuständige Wiesbadener Denkmalschutzbehörde zu Protokoll, sie habe nur sehr wenige Auflagen gemacht. Der Architekt des Bischofssitzes ließ verlauten, dass Tebartz-van Elsts Sonderwünsche die Kosten in die Höhe getrieben hätten.

Liebe zum höfischen Zeremoniell

Doppelt auffällig und unangemessen wirkt die Prachtenfaltung des Limburger Bischofs, da nun ein neuer Papst amtiert, der Bescheidenheit und Demut lehrt. Franziskus ist erst gar nicht in den Palast des Vatikan eingezogen, er bewegt sich gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln und sucht die Gesellschaft der Armen. Von Franziskus hat Tebartz-van Elst mithin kaum Verständnis zu erwarten. Es ist, als wäre der Limburger Bischof aus der Zeit gefallen, als sei er ein besonders radikaler Exponent der Ära des deutschen Papstes Benedikt XVI., Joseph Aloisius Ratzinger, der Anfang des Jahres zurückgetreten war. Auch Benedikt liebte ein geradezu höfisches Zeremoniell.

Zollitsch begrüßte auf seiner Pressekonferenz die Aktzente die Franziskus bereits gesetzt hat, ausdrücklich. "Es ist unser Auftrag, immer auch an die Ränder der Gesellschaft zu gehen", sagte Zollitsch. Darüber hinaus verwies er auf die Reform der Kurie, die neue Form der Kollegialität, die Hinwendung zur Ökumene und die Debatte über die Stellung der Frauen in der katholische Kirche. Zollitsch erwähnte gar die Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils, das Anfang der 60er Jahre ein Liberalisierung des Katholizismus eingeläutet hatte. Papst Benedikt XVI. hatte diese später wieder zurückzudrehen versucht.

Rote Linien der Bischofskonferenz

Gleichwohl sollte niemand glauben, Zollitsch hätte plötzlich den Revolutionär in sich entdeckt. Im allgemeinen Teil seiner Pressekonferenz sprach er sich abermals gegen jede Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften aus, verdammte Eingriffe beim ungeboren Leben, also Präimplantationsdiagnositik und Abtreibung, sowie jede Form der Sterbehilfe. Und in der Frage der Frauen in der katholischen Kirche zog er auch eine rote Linie - sie könnten vieles werden, aber die Priesterweihe sei Männern vorbehalten.

Über den Vorschlag des Erzbistums Freiburg, Geschiedene, die neu geheiratet haben, wieder zum Abendmahl zuzulassen, äußerte sich Zollitsch vorsichtig. Er habe das Papier gekannt - Zollitisch ist selbst für das Bistum Freiburg verantwortlich -, aber einer Veröffentlichung nicht zugestimmt. Es hätte zunächst intern beraten werden sollen. Eine klare Position ließ er sich nicht entlocken. Der Vatikan hatte zuvor kritisiert, der "rein lokale" Vorstoß würde nur "Verwirrung stiften".

Kirche in Bewegung

Offensichtlich ist die katholische Kirche durch Franziskus in Bewegung geraten. Die einen nutzen die neue Freiheit, um alte Dogmen abzuwerfen. Die anderen zögern noch und suchen Orientierung. Und dann gibt es noch jene, die vollständig ins Abseits geraten sind. Dazu gehört der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.