Evangelischer Kirchentag "Die Armut ist ein Skandal"


Mit vielen gut gemeinten Appellen an die G8-Staaten hat der Evangelische Kirchentag in Köln begonnen. Doch auch unter den Gläubigen ist nicht alles im Lot: Kardinal Meisner torpedierte mit seinem Abendmal-Verbot die Ökumene.

Zu Beginn des Evangelischen Kirchentages in Köln haben die Organisatoren am Mittwoch vom G8-Gipfel gefordert, die weltweite Armut zu bekämpfen. «Das Ausmaß extremer Armut in unserer Welt ist ein Skandal», hieß es in einem "Ruf aus Köln", der von den Religionsvertretern an den G8-Gipfel in Heiligendamm übermittelt wurde. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief in einem Grußwort beim Eröffnungsgottesdienst vor rund 65 000 Menschen zu einer "gemeinsamen Welt-Innenpolitik" auf. "Wir sitzen alle in einem Boot, egal ob Reich oder Arm."

"Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche erfüllt uns mit Unbehagen und mit Sorge", sagte Steinmeier. Ein "Leben nach der Stoppuhr" mache vielen Menschen Angst: "Ich wünsche uns für Deutschland ein neues Bündnis für sozialen Zusammenhalt." Mit Blick auf die Proteste beim G8-Gipfel sagte Steinmeier, beim Kirchentag könnten Argumente auch "ohne großes Polizeiaufgebot, ohne Gewalt, Zäune und Stacheldraht" ausgetauscht werden.

Metropolit gegen Raketenschirm

Kirchentagspräsident Reinhard Höppner sagte, das Protestantentreffen wolle mit Blick auf den G8-Gipfel "Brücken bauen" und "Fronten auflockern". Die Themen des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentags seien geprägt durch den Gipfel: Es gehe um gerechte Weltwirtschaft, Afrika, Klimaschutz und die Konflikte im Nahen Osten.

"Sehr klar" wenden sich die Religionsführer gegen den Waffenexport und die "intensiven Militärausgaben" der G8-Staaten, betonte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber. Zudem beobachte man mit Besorgnis Tendenzen zu einem neuen Wettrüsten in Europa. Der russisch-orthodoxe Metropolit Kyrill verurteilte das geplante US-Raketensystem in Osteuropa, das sein Land zur Entwicklung neuer Raketen herausfordere.

Meisner gegen Ökumene

Höppner zeigte sich enttäuscht darüber, dass es kein gemeinsames Abendmahl mit den Katholiken geben wird. Kurz vor Beginn des Kirchentags hatte der Kölner Kardinal Joachim Meisner bekräftigt, dass Katholiken dort nicht am protestantischen Abendmahl teilnehmen dürften. Dies entspricht der Position der katholischen Kirche, während nach protestantischem Verständnis alle Getauften zum Abendmahl eingeladen sind.

Zu dem Kirchentag unter dem Motto "lebendig und kräftig und schärfer" haben sich bis zum Sonntag mehr als 104.000 Dauerbesucher angemeldet, davon eine Rekordzahl von gut 5000 Teilnehmern aus dem Ausland. Rund 40 Prozent der Dauerbesucher sind unter 30 Jahre alt. Schüler bilden mit knapp 26 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von Angestellten und Rentnern (je 18 Prozent).


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