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Feinstaub: Frust bei Dieselauto-Besitzern

Viele Dieselauto-Besitzer verstehen die Welt nicht mehr. Noch vor gut fünf Jahren erhielten sie eine Steuervergünstigung beim Neukauf eines Dieselautos mit der Euro-4- Norm, jetzt stehen sie mit einer Feinstaub-Dreckschleuder da.

Zahlreiche Kommunen können die seit Jahresbeginn geltenden Grenzwerte für den Krebs erregenden Feinstaub nicht einhalten. Da hilft eigentlich nur die Nachrüstung mit einem Partikelfilter - und da beginnt das Problem, wenn man einen deutschen Diesel-Kleinwagen hat.

Eine Anfrage bei einem Großhändler wird freundlich verneint: Für das Auto gibt es keinen Filter. Wann wird es denn soweit sein? Keine Angaben zu dieser Nachfrage. Kann der Wagen auf Bio-Diesel umgestellt werden? Die Antwort: "Das hängt von der Fahrgestellnummer ab, da müssen Sie im Werk anrufen, ob ihr Baujahr für Bio-Diesel freigegeben ist." Bio-Diesel ist heute eine echte Alternative. Trotzdem versucht es der Kleinwagen-Besitzer erstmal weiter mit einem Filter.

Auf der Suche nach dem Filter

Da hatte doch der Geschäftsführer einer Fahrzeugtechnikfirma aus Menden in Nordrhein-Westfalen bei einem Umweltkongress in Augsburg erklärt, es gebe für alle Dieselfahrzeuge Nachrüstfilter. Eine Nachfrage ergab, das dies im Prinzip richtig sei, aber noch nicht Wirklichkeit. Für das Auto des Betroffenen gebe es leider noch keinen Filter. Auf der Homepage des Unternehmens "www.hjs.com" gibt es eine Liste, doch der Kleinwagen ist wieder nicht dabei. "Bei einer Betrachtung der Fahrzeugflotten wird es gewisse Prioritäten geben, so dass z. B. der VW Polo Diesel nicht unmittelbar nachgerüstet werden kann", lautet die freundliche Auskunft aus dem Sauerland.

Der Diesel-Besitzer will immer noch nicht glauben, dass er auf verlorenem Posten steht. Das angefragte Umweltbundesamt verweist auf den Hersteller und schickt eine mehr als 70 Seiten dicke Diesel- Broschüre, in der steht: "Eine drastische Partikelminderung ist nur durch eine Abgasnachbehandlung, d.h. durch den Partikelfilter möglich." Aber diesen Filter gibt es für sein Auto nicht.

Ein letzter Versuch

Noch einen Versuch startete der Diesel-Besitzer. Er rief bei dem französischen Hersteller an, der doch die Filter schon auf den Markt gebracht habe. Ob denn der französische Filter in das deutsche Auto passe - natürlich nicht.

Die Überlegung, den deutschen Diesel zu verkaufen, ist auch schnell verworfen. Die Gebrautwagenpreise für Diesel ohne Filter sind sofort abgerutscht. Bleibt nur zu warten, bis der Verbraucherdruck auch ohne Steuervorteil so hoch ist, dass Nachrüst-Filter für alle Diesel-Autos auf den Markt kommen. Beim Katalysator hatte es nach Jahren auch geklappt.

Nikolaus Dominik/DPA / DPA
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