Festnahme in Potsdam Haftbefehl gegen Verdächtige erlassen


Auf Antrag von Generalbundesanwalt Kay Nehm hat der Ermittlungsrichter Haftbefehle gegen die beiden Tatverdächtigen des rassistischen Überfalls in Potsdam erlassen. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Gegen die beiden Tatverdächtigen des rassistischen Überfalls in Potsdam ist Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden. Wie Generalbundesanwalt Kay Nehm mitteilte, gründet sich der dringende Tatverdacht auf Gesprächsaufzeichungen, die während des Überfalls auf einer Telefon-Mailbox eingingen. Außerdem hat die Ehefrau des Opfers in einem vorhergegangen Telefongespräch die Äußerung von einem der beiden Täter mitgehört, die lautete: "Sollen wir dich wegpusten?" Nachdem der Mitschnitt veröffentlicht wurde, gingen Hinweise ein, die zur Festnahme der Verdächtigen führten.

Ungewöhnlich hohe Stimme

Nach Medienberichten gehört wohl einer der Verdächtigen, der 29-jährige Björn L., der rechten Szene an. Er sei Bodybuilder, solle häufig als Türsteher gearbeitet haben und über eine ungewöhnliche hohe Stimme verfügen. Freunde des Verdächtigen hätten der Polizei gesagt, dass der Mann wegen seiner Stimme "Piepsi" genannt werde. Auch auf dem Anrufbeantworter ist eine hohe Stimme zu hören. Zusammen mit dem anderen Verdächtigen, dem 30-jährigen Thomas M., soll Björn L. bei einem Autovermieter in der Potsdamer Innenstadt gearbeitet haben.

Festnahme auf der Autobahn

Laut Nehm verlief die Festnahme der schon länger beobachteten Männer völlig unspektakulär. Nach einem Augenzeugenbericht, wurde einer der Verdächtigen im Süden Potsdams nahe der Autobahn 115 festgenommen. An einer Kreuzung sei die Ampel auf Rot geschaltet worden. Quer gestellte Wagen blockierten den Verkehr. Dann hätten Polizisten mit Sturmhauben einen Mann festgenommen.

Erleichterung in Potsdam

"In der Stadt herrscht eine gewisse Erleichterung, dass die Ermittlungen offenbar erfolgreich waren", sagte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Aber noch immer überwiege die Fassungslosigkeit ob der brutalen Tat an dem 37-jährigen Ingenieur, der auch am Freitag noch in Lebensgefahr schwebte.

"Potsdam bekennt Farbe"

Unterdessen demonstrierten am Abend Politiker, Gewerkschafter, Bürgerorganisationen und Passanten auf dem Potsdamer Luisenplatz. Unter dem Motto "Potsdam bekennt Farbe" bekundeten sie ihre Solidarität mit dem Opfer und protestierten gegen Fremdenfeindlichkeit.

Imke Hendrich/DPA; Holger Witzel DPA

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