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Fleischhandel: Zoo verkauft Tiere zum Verzehr

Die Stadt Erfurt hat den Direktor des Zoos entlassen. Er soll jahrelang zugelassen haben, dass Tiere im Zoo geschlachtet und verkauft werden. Tierschützer vermuten, das könnte nur die Spitze des Eisbergs in dem Skandal sein.

Mitarbeiter des Erfurter Zoos haben in den vergangenen Jahren immer wieder Tiere ohne die erforderliche Genehmigung getötet und ihr Fleisch verkauft. Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) habe Strafanzeige gestellt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hannes Grünseisen. Bei den geschlachteten Tieren handele es sich ausschließlich um Haustiere und einheimische Wildtiere wie zum Beispiel Ziegen, Schweine und Hirsche, sagte die Sprecherin der Erfurter Stadtverwaltung, Inga Hettstedt. Die Zooverwaltung wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Hettstedt zufolge ist es nicht ungewöhnlich, dass Zoos überzählige Tiere schlachten und das Fleisch verkaufen. Das Veterinäramt müsse die Schlachtung jedoch genehmigen und anschließend das Fleisch für den Verzehr freigeben. Diese Freigabe habe sich der Zoo aber nicht ausstellen lassen, sagte Hettstedt. Unklar sei bislang, welche Mitarbeiter verantwortlich seien.

Die thüringische Landeshauptstadt hat nun erste personelle Konsequenzen gezogen. Nach einem Beschluss des Erfurter Stadtrats wird der bisherige Zoodirektor Norbert Neuschulz von Hans- Günter Collette abgelöst. Als neuen Verwaltungsdirektor berief der Stadtrat Ulf Zimmermann. Diese Entscheidungen seien unabhängig von den jüngsten Vorfällen getroffen worden, hieß es.

Vielleicht nur die Spitze des Eisbergs

Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn sprach von einem "Skandal". Dass die Vorgänge offenbar erst von einer Behörde festgestellt worden seien, lasse starke Zweifel an der Zooleitung aufkommen. Sie hätte bei der Kontrolle der Bestandsbücher das illegale Vorgehen der Mitarbeiter frühzeitig erkennen müssen. Tierschutzbund-Präsident Wolfgang Apel sagte: "Wir befürchten, dass wir bisher nur die Spitze des Eisbergs sehen."

Dem Tierschutzbund liegen nach eigenen Angaben zudem Unterlagen vor, denen zufolge zwei Äffchen aus dem Erfurter Bestand im vergangenen Jahr an einen Berliner verkauft wurden. Dieser habe die Tiere in einem Vogelkäfig gehalten. Die Tierquälerei sei von Nachbarn angezeigt worden. Inzwischen säßen die Tiere im Tierschutzheim. "Der Zoo hat sich offenbar nicht nur als Schlachterei, sondern auch als Handelsplatz für Tiere betätigt", sagte Apel. Nach den Unterlagen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, wurden die Reisepapiere von Tierarzt Dietmar Kulka unterzeichnet, der derzeit den krank gemeldeten Zoodirektor Norbert Neuschulz vertritt.

Die Missstände seien bei Personalgesprächen offenbart worden, sagte Stadtsprecherin Hettstedt. Gegen Neuschulz wird derzeit auch wegen eigenmächtiger und finanziell fragwürdiger Entscheidungen beim Bau einer Löwensavanne ermittelt.

DPA / DPA