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G8-Gipfel: Fortschritt auf der Stelle

Es klingt toll: Die G8-Staaten haben sich in Japan auf eine Halbierung des Treibhausgasausstoßes bis 2050 geeinigt. Doch diese Vision ist keinesfalls so ein fulminanter Fortschritt, wie es Merkel und Co der Welt gerne verkaufen möchten. Was genau in den nächsten 42 Jahren wann und in welchem Ausmaß geschehen soll, bleibt im Dunkeln.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Die G8-Staaten schwärmen in ihrer Gipfelvereinbarung von sich selbst. Jubeln über die "Vision", dass sie sich darauf verständigt haben, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 zu halbieren. Diese Vision soll "geprüft und angenommen" werden. Hier schrumpft das Visionäre allerdings arg zusammen. Vor einem Jahr in Heiligendamm war nur von "prüfen" die Rede, jetzt geht man ein Millimeterchen weiter. Das sind bei genauer Betrachtung in der Tat "blumige Worte", wie Organisationen wie Greenpeace klagen. Was wann und in welchem Ausmaß in den kommenden 42 Jahren geschehen soll, bleibt im Dunkeln.

Schlimmer noch: Es wird kein Bezugsjahr genannt, an denen die Reduktion um 50 Prozent gemessen wird. Im sogenannten Kyoto-Protokoll wird der Ausstoß von CO₂ im Jahr 1990 genannt. Nimmt man etwa das Jahr 2005 als Bezugsjahr, dann sind die 50 Prozent vielfach schwerer zu erreichen, weil die Klimabelastung seither dramatisch gestiegen ist. Die EU hat sich verpflichtet, bis 2020 mindestens 40 Prozent der Treibhausgase – bezogen auf Kyoto – zu reduzieren. Was genau die USA künftig mittragen, weiß man nicht.

Dort sind die Schadstoffemissionen in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Sie betragen in den USA 20 Tonnen pro Kopf. Und man muss immer wieder darauf verweisen, dass die G8-Staaten die Hälfte der weltweiten Emissionen produzieren. Industrielle Schwellenländer wie Indien oder China liegen weit darunter, die Inder belasten die Umwelt gerade mal mit einer Tonne je Kopf. Noch sind diese Schwellenländer nicht im Boot, doch warum sollten sie sich danach drängen, solange die ausgewachsenen Industrieländer noch keine konkreten Taten nachgewiesen haben?

Beim nächsten G8-Gipfel ist Bush nicht mehr dabei

Der auch von Angela Merkel behauptete Fortschritt fand in Japan weitestgehend auf der Stelle statt. Die G8-Staaten, die USA voran, propagieren im Rahmen der Energieversorgung unverändert die Steigerung der Ölproduktion. Damit wird die alte Interessenlage der ölfördernden Länder verteidigt. Worin dabei der Beitrag zum Klimaschutz besteht, möchte man schon gerne wissen. Und speziell von der deutschen Kanzlerin wünscht man sich eine konkrete Antwort auf die Frage, weshalb sie auf globalen Konferenzen globale Worte findet, bei konkreten Taten hierzulande eher kleinkariert operiert. Sie taktiert vor allem im Bereich des Automobilbaus, steht hier voll auf der Bremse, wenn nach niedrigerem CO₂-Ausstoß hubraumstarker Autos gerufen wird. Und im Bereich der Förderung der erneuerbaren Energien ist sie nur mit eher verhaltenem Elan aktiv.

Vollends ungewiss ist überdies, was denn die Zusage von US-Präsident Bush zur "Vision" wert ist. Beim nächsten G8-Gipfel sitzt er nicht mehr am Tisch. Wie viel seinem Nachfolger der Klimaschutz als politisches Ziel bedeutet, weiß man nicht. Bis heute denken beide potentiellen Nachfolger Bushs nicht daran, sich gegen die Ölsuche in den arktischen Gefilden Alaskas auszusprechen. Damit finge ein echter Kurswechsel der USA erst an.