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Geburtenrückgang: In Deutschland leben immer weniger Menschen

Deutschlands Einwohnerzahl schrumpft weiter - vor allem, weil nicht genug Kinder geboren werden. Die Zahl der Geburten lag nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr um bis zu 38.000 niedriger als 2008.

In Deutschland leben erstmals seit 1995 wieder weniger als 82 Millionen Menschen. Der jahrelange Rückgang der Bevölkerungszahl dürfte sich 2009 fortgesetzt haben, teilte das Statistische Bundesamt mit. Ein Minus von voraussichtlich weiteren 0,3 Prozent bedeutet, dass die Zahl der Einwohner von 82,0 Millionen Ende 2008 auf 81,7 bis 81,8 Millionen Ende vergangenen Jahres sank.

Gründe sind ein neuerlicher Rückgang der Geburten und ein negativer Wanderungssaldo - 2009 kehrten mehr Menschen Deutschland den Rücken als umgekehrt aus dem Ausland zuwanderten. Die Statistiker schätzten die Zahl der Geburten auf 645.000 bis 660.000. Das wären so wenig wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg - im geburtenstärksten Jahr 1964 kamen 1,36 Millionen Kinder auf die Welt. Seit 1972 sterben in Deutschland mehr Menschen als geboren werden.

Die Zahl der Sterbefälle ging laut Bundesamt 2009 leicht auf voraussichtlich 830.000 bis 840.000 zurück. "Es ist davon auszugehen, dass innerhalb dieser Grenzen das Geburtendefizit - also die Differenz aus Geburten und Sterbefällen - für 2009 im Bereich von etwa 180.000 bis 190.000 liegen dürfte." Dieses Defizit lag 2008 noch bei 162.000 und war damit bereits so hoch wie seit dem Pillenknick in den 70er Jahren nicht mehr.

Negativ dürfte 2009 auch die Bilanz der Zuzüge aus dem Ausland und der Fortzüge aus Deutschland gewesen sein. Es werde ein negativer Wanderungssaldo von 20.000 bis 70.000 Personen erwartet, erklärten die Statistiker. Die Schätzung sei deshalb so schwierig, weil wegen der Einführung der Steuer-Identifikationsnummer für alle Einwohner Deutschlands wie schon 2008 umfangreiche Bereinigungen der Melderegister in den Kommunen vorgenommen worden seien. Diese hätten sich in erhöhten Fortzugszahlen niederschlagen. "In welchem Umfang sich die Bereinigungen auf den Wanderungssaldo und damit auf die Bevölkerungszahl auswirken, kann nicht quantifiziert werden", erklärte das Statistische Bundesamt. 2008 war der Wanderungssaldo erstmals nach der Wiedervereinigung negativ ausgefallen.

Den Statistikern zufolge dürfte sich der Trend zum Rückgang der Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen. Für 2060 rechnet das Bundesamt mit nur noch 65 Millionen bis 70 Millionen Menschen, von denen jeder Dritte älter als 65 Jahre sein dürfte. Diese Einschätzung veröffentlichte das Statistische Bundesamt im November 2009.

APN / APN