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Gewalt: Pornos führen zu Schulausschluss

Eine Schülerin, die Porno-Videos an Mitschüler weitergegeben hat, wurde für fünf Tage vom Unterricht ausgeschlossen. Auch in Bayern wurden mehrere Schüler-Handys mit pornografischen Inhalten beschlagnahmt. Schulleiter sollen nun Mobiltelefone überprüfen.

Wer Gewalt- und Pornovideos an seine Mitschüler weitergibt, darf für einige Tage von der Schule ausgeschlossen werden. Dies hat das Verwaltungsgericht Karlsruhe in einer veröffentlichten Entscheidung beschlossen. Eine 14-jährige Schülerin aus dem baden-württembergischen Eberbach hatte per Handy so genannte Snuff-Videos, auf denen pornografische Szenen oder brutale Gewalt zu sehen waren, weitergegeben. Gegen ihren darauf erfolgten fünftägigen Ausschluss vom Unterricht hatte sie geklagt.

Die Sache war aufgeflogen, als sich Eltern eines Sechstklässlers beschwerten, weil ihr Kind unter Schlafstörungen litt. Die Schulleiterin verständigte die Polizei und schloss die 14-Jährige sowie andere beteiligte Schüler ab Dienstag für fünf Tage vom Unterricht aus.

Seelische Gleichgewicht kann massiv beeinträchtig werden

Aus Sicht des Gerichts können die brutalen Szenen das seelische Gleichgewicht und sittliche Empfinden von Schülern, die die Videos auf ihrem Handy erhalten, "massiv beeinträchtigen und Angstzustände hervorrufen". Die Schulleitung habe zu Recht strenge Maßnahmen ergriffen - auch, um andere Schüler von Nachahmung abzuhalten.

Der Beschluss ist nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können binnen zwei Wochen Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof Baden- Württemberg einlegen.

Auch Fälle in Bayern

Das bayrische Kulturministerium hat den zweiten Fall von Gewaltdarstellungen auf Schüler-Handys zum Anlass für eine bayernweite Anfrage genommen. Die Schulleiter sollen das Ministerium informieren, ob es ähnliche Fälle auch an anderen bayerischen Schulen gibt. In Kaufbeuren waren auf drei Schüler-Handys Gewalt- und Sodomie-Inhalte festgestellt worden.

Nach Angaben der Polizei hatte ein 15-jähriger Schüler in der Pause Kameraden gewaltverherrlichende Videos gezeigt und war von einem Lehrer erwischt worden. Daraufhin wurden 35 Schüler-Handys konfisziert und polizeilich geprüft. Auf drei Telefonen waren Porno-Darstellungen mit Tieren und Gewaltvideos. Vor einer Woche waren in Immenstadt auf 16 Schüler-Handys ähnliche Inhalte gefunden und über 200 Handys vorübergehend beschlagnahmt worden.

Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, Lehrer würden die Fälle zum Anlass nehmen, um im Rahmen einer verantwortungsvollen Medienpädagogik derartige Problemfelder zu thematisieren. Auch die Pausenaufsichten seien durch die Vorkommnisse sensibilisiert. Schüler, bei denen verbotene Darstellungen auf Handys gefunden würden, dürften aber nicht pauschal kriminalisiert werden. Die Anfrage bei den Schulleitern solle bayernweit Informationen zur Bewertung der Problematik bündeln.

DPA / DPA
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