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Helgoland: "Wiedervereinigungspläne" auf der Insel scheitern

Wächst zusammen, was einst zusammengehörte oder entsteht ein "Dubai der Nordsee"? Die Bevölkerung auf der Hochseeinsel Helgoland stimmte darüber ab, ob Sandaufspülungen Hauptinsel und "Badedüne" miteinander verbinden sollen - und ist in ihrer Meinung dazu selbst gespalten.

Der Himmel über Helgoland ist strahlend blau, und die Luft angenehme 20 Grad warm: Es ist ein typischer Sommertag auf Deutschlands einziger Hochseeinsel. Doch die Inselbewohner haben zurzeit kaum Muße, ihr Paradies zu genießen. Seit Wochen schon herrscht auf dem roten Felsen in der Nordsee eine angespannte Stimmung, denn die Insulaner mussten am Sonntag die Weichen für die Zukunft ihrer Insel stellen. Jetzt ist es raus: Die Mehrheit der Helgoländer (54,74 Prozent) will, dass der typische Zwei-Insel-Charakter mit Hauptinsel und Düne beibehalten wird. Das ehrgeizige 100-Millionen-Euro-Projekt, wonach Hauptinsel und "Badedüne" zu einer Einheit zusammengefügt werden sollten, ist gescheitert. Nun soll ein Plan entwickelt werden, wie neue Flächen durch Aufspülung direkt an der Hauptinsel entstehen können.

Eine schwere Sturmflut hatte 1720 die rund tausend Meter lange Landbrücke zwischen dem roten Sandsteinfelsen und dem "Witte Kliff" - einem vorgelagerten Kalkfelsen - zerstört. Seitdem trennt die See die ein Quadratkilometer große "Hauptinsel" von der mittlerweile zur Badeinsel avancierten 0,7 Quadratkilometer großen Düne. Der Hamburger Bauunternehmer Arne Weber hatte bereits 2008 in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Hamburg (TU) und dem Alfred-Wegener-Institut einen Projektplan erarbeitet, der aufzeigte, wie der nur wenige Meter tiefe Meeresarm wieder mit Sand aufzufüllen wäre.

Eine "Hochzeit" der beiden Inselteile hätte Helgoland um rund 300 000 Quadratmeter vergrößert - das ist eine Fläche so groß wie etwa 40 Fußballfelder. Diese werde dringend benötigt, sagt der parteilose Bürgermeister Jörg Singer: "Helgoland braucht Land - für neuen Wohnraum für die Insulaner, für weitere Bettenkapazitäten der Gäste, und für die Offshore-Windindustrie, die sich auf Helgoland ansiedeln wird", sagt er und fügt ohne Zögern hinzu: Die Verbindung der beiden Inseln sei für ihn auch unter ökonomischen Aspekten die attraktivste Variante gewesen.

Die Umweltverbände BUND und NABU sahen die Pläne jedoch kritisch. Eine Aufspülung hätte einen schweren Eingriff in die Meeresumwelt bedeutet, sagte Ingo Ludwichowski vom NABU Schleswig-Holstein. Unter anderem sei die Düne die "Kinderstube" der Kegelrobben: Sie ziehen dort ihren Nachwuchs auf. "Wenn das Wasser-Taxi durch eine direkte Landverbindung ersetzt wird, kommen vermutlich mehr Menschen von der Hauptinsel auf die Düne, und das kann die Tiere stören."

Die ehemalige Bürgermeister-Kandidatin Felicitas Weck (Die Linke) sieht das genauso: Sie bezeichnete die Idee einer Verbindung der Inselteile als völlig überdimensioniert. "Außerdem geht es am Problem der Insel vorbei", sagt sie. Helgoland solle sich lieber auf seine Stärken besinnen: "Und das ist die Natur", erklärt sie. Und setzt nach: "Wenn ich nach Sylt will, reise ich zum Original und nicht nach "Sylt 2"." Ein eher harmloser Seitenhieb, verglichen mit anderen Kritikern, die die gescheiterte Insel-Vereinigung bislang spöttisch unter der Rubrik "Dubai der Nordsee" abgetan hatten.

Wolfgang Runge, DPA / DPA
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