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Insel-Partnerschaft: Sansibar will mit Helgoland anbändeln

Seit mehr als 115 Jahren sind Helgoland und Sansibar durch ihre Historie verbunden. Jetzt möchte die afrikanische Inselgruppe die Freundschaft intensivieren. Eine Delegation reist in Kürze an. Doch die Friesen zieren sich.

Über der einzigen deutschen Hochseeinsel kreisen die Möwen. Eine steife Brise fegt an den Klippen Helgolands entlang. Tausende Kilometer südlich, vor der Küste Tansanias, wiegen sich Palmen im warmen Wind, und ein Hauch von Zimt, Vanille und Kardamon weht über die Inselgruppe Sansibar. Die so unterschiedlichen Inseln sind historisch miteinander verbunden: Kaiser Wilhelm II. soll 1890 das tropische Eiland gegen die Nordseeinsel getauscht haben. Eine geschichtliche Mär, die sich aber bis heute hartnäckig hält.

Als die Felseninsel nach 83 Jahren britischer Herrschaft zum Deutschen Reich kam, war Sansibar keineswegs das Tauschobjekt, als das es oft bezeichnet wird. Der "Vertrag zwischen Deutschland und England über die Kolonien und Helgoland" regelte zwar Gebietsansprüche, die heute zu Tansania gehörenden Sansibar-Inseln standen aber nie unter deutscher Verwaltung. Deutschland gab jegliche Gebietsansprüche im heutigen Somalia und Kenia auf, bekam dafür die 70 Kilometer vor der Küste liegende Hochseeinsel.

Nicht auf Augenhöhe

Die geschichtlichen Ungenauigkeiten sind aber nicht der Grund für Helgolands Zurückhaltung. "Wir befinden uns nicht auf Augenhöhe", erklärt Bürgermeister Frank Botter. Die Zahlen sprechen für sich: Hier Helgoland, dass inklusive Düne auf keine zwei Quadratkilometer Fläche und 1300 Einwohner kommt, dort das tausendfach größere, tropische Sansibar mit mehr als einer Million Menschen als autonomer Teil Tansanias.

Seit Jahren blühen die Verbindungen zwischen den ungleichen Schwestern eher im Verborgenen. Seit 1984 gibt es die "Partnerschaftsgruppe Helgoland-Sansibar" Kontakt, und Helgolands Kirchengemeinde hält Kontakt zur christlichen Minderheit auf der überwiegend muslimisch geprägten Inselgruppe. "Das ist Partnerschaft, und das unterstütze ich auch", sagt Botter.

Am Valentinstag kommen die Afrikaner

Sansibar ist aber an einer offiziellen Partnerschaft gelegen. Daher rückt am 14. Februar eine vom stellvertretenden Premierminister Sansibars angeführte Delegation an. Botter verspricht, dass sie freundlich empfangen wird. "Wir haben immer offene Herzen und offene Ohren, wir werden sie freudig in die Arme nehmen und miteinander reden." Ob dann mehr daraus wird? Abwarten, meint Botter. "Eine Partnerschaft muss auch mit Leben gefüllt werden", sagt er. Aber es gibt immerhin schon einen Ansatzpunkt für eine Zusammenarbeit: der Tourismus, eine der Haupteinnahmequellen beider Inseln.

Weniger geduldig ist der in Bönningstedt, das wie Helgoland im Kreis Pinneberg liegt, lebende Honorarkonsul von Tansania, Jürgen Gotthardt. "Es wäre schön, wenn sich nun auch der Kreis Pinneberg und Helgoland zu einer Partnerschaft mit der Insel Sansibar entschließen könnten", sagte er kürzlich. Gotthardt führt ins Feld, dass im kommenden Jahr eine Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Daressalam, dem Regierungssitz Tansanias, besiegelt werden soll.

Ein Fundament ist vorhanden

Die auf Helgoland lebende Fotografin Lilo Tadday findet die Idee einer Partnerschaft interessant. "Das kann ich mir sehr gut vorstellen." Schließlich sei ein Fundament bereits vorhanden. "Es gibt bereits Kontakte und Freundschaften." Wie wertvoll ein Austausch sein kann, weiß sie aus eigener Erfahrung. Sie hat Bilder in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, ausgestellt und für das Deutsche Aussätzigen Hilfswerk gearbeitet. "Da bewegt sich etwas zwischen den Kulturen", sagt Tadday.

Helgolands Tourismusdirektor Klaus Furtmeier freut sich jedenfalls auf den Besuch aus Ostafrika. Die Entfernung sei zwar groß und eine Partnerschaft deswegen schwierig. Aber Kontakte sind gut, schon der Geschichte wegen.

swd/Sönke Möhl/DPA / DPA

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